Internationale Woche der Frauen – Menschenrechtsverteidigerinnen im Blickpunkt

Aus dem Leben von Maya Ch’orti’ – Leaderinnen

Im Rahmen der internationalen Woche der Frauen haben wir zwei Menschenrechtsverteidigerinnen der Maya Ch’orti’-Region interviewt. Die befragten Frauen sind Elfa Marina Escalante Vásquez, indigene Bürgermeisterin der Ch‘orti‘-Gemeinschaft, und Yesenia Eunice Martínez, Ch‘orti‘-Aktivistin und zurzeit Repräsentantin der Ch‘orti‘-Gemeinschaft Corozal Arriba, deren indigener Bürgermeister José Méndez Torres und Schatzmeister Melvin Álvarez García und fünf weitere Gemeinschaftsbewohner kriminalisiert wurden und in Untersuchungshaft auf ihren Gerichtsprozess warten müssen, der am 25. Mai 2018, mehr als ein Jahr nach den ersten Festnahmen, stattfindet.

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Settimana internazionale della donna: la voce alle attiviste indigene Maya Ch’orti

Nell’ambito della settimana internazionale delle donne, abbiamo intervistato due attiviste per la difesa dei diritti umani dell’area Maya Ch’Orti. Le donne intervistate sono Elfa Marina Escalante Vásquez, autorità indigena di Campanario Oratorio, e Yesenia Eunice Matínez, autorità indigena della comunità di Corozal Arriba. Quest’ultima sostituisce attualmente il sindaco di Corozal Arriba José Mendez Torrez, che insieme al tesoriere Melvin Alvarez García ed altri cinque compagni della comunità si trovano attualmente in carcere preventiva, vittime della criminalizzazione, in attesa del processo che si terrà il prossimo 25 maggio 2018.

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8. März – internationaler Tag der Frauen in Guatemala

Wenn die Legende sich in der Realität bestätigt

Der 8. März hat in Guatemala dieses Jahr eine besondere und wuterregende Bedeutung: Heute vor genau einem Jahr wurden in einem sogenannten “Sicheren Heim” 56 Mädchen und junge Frauen eingesperrt und verbrannt. 41 kamen dabei um ihr Leben (s. Blog-Eintrag “Trauer, Wut und Empörung”) . Dies am 8. März, weil sie am Vortag versucht hatten, vor den Gräueltaten, der sexuellen Gewalt, dem Menschenhandel und den Misshandlungen, die sie im Heim tagtäglich durchleben mussten, zu fliehen. Sie wählten dieses Datum aus, um auf ihre missliche Lage aufmerksam zu machen, die sie bereits vermehrt gemeldet und angeklagt hatten, jedoch ohne gehört zu werden und ohne, dass ihnen Glauben geschenkt worden wäre.

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Kriminalisierung des Ch‘orti‘-Volkes

Statt mit ihren Familien verbringen José, Melvin und Ignacio ihre Festtage im Untersuchungsgefängnis Los Jocotes in Zacapa. Am 19. Mai 2017 wurden José Mendez Torres, indigener Bürgermeister von Corozal Arriba sowie der Schatzmeister derselben Gemeinschaft, Melvin Álvarez García, verhaftet. Am 9. Juni nahm die Polizei (PNC) in der Gemeinde La Union, Departement Zacapa, Ignacio Sacarías Vasquez und bis Dezember 2017 vier weitere Dorfbewohner fest.

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Unterwegs für mehr Solidarität

Die Guatemalanetze Bern und Zürich organisieren im Februar 2018 eine zweiwöchige Delegationsreise nach Guatemala. Im Zentrum stehen Besuche und Austausch mit MenschenrechtsaktivistInnen und -organisationen in Guatemala Stadt sowie in den Regionen Huehuetenango und San Marcos. Insgesamt werden zwölf Personen aus der Deutschschweiz nach Guatemala reisen. Die Redaktion des «Infobulletins Guatemala-Netz Zürich» hat die Reiseteilnehmerin und ehemalige PWS-Freiwillige Michèle Jöhr aus Bern nach ihren Beweggründen und Erwartungen gefragt.

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Aus dem Leben eines Acos in Guatemala

Nun bin ich bereits zwei Monate hier in Guatemala. Das Klima hier auf 1500 m Höhe ist angenehm, mit starker Sonne und in den letzten Tagen manchmal bis gegen 30°C, aber meist mit angenehmem Wind und bisher kaum Regen. Irgendwann in den nächsten Wochen ist aber der Beginn der Regenzeit fällig. Die meisten Tage bisher waren klar, so dass man vom Dach aus die nächsten Vulkane sehen kann.

Der Blick vom Dach nach unten geht auf die Terrasse des obersten Geschosses mit den Zugängen zu den zwei Schlafräumen, und dazwischen zu Waschküche und Dusche/WC. Das WG-Leben hier ist eng wie in einer SAC-Hütte, bei der man vor zehn Jahren den Hüttenwart weggespart hat: also basisdemokratisch-chaotisch, was mir als älterem Semester die Angewöhnung erschwerte.

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Archivo Histórico de la Policia Nacional: Erinnern, um nicht zu Wiederholen!

Am 25. März besuchten wir zum Abschluss unserer Ausbildung bei ACOGUATE das Archivo  Histórico de la Policia Nacional (AHPN). Der Besuch hat mich berührt. Trotz des unfassbaren Ausmasses der Gräuel ist das Archiv ein Ort der Hoffnung und Versöhnung, weil es Tausenden von Opfern Gesicht und Namen zurückgibt.

Licht ins Dunkel – das verschollene Archiv taucht auf

In seinen 36 Jahren forderte der „Conflicto Armado“ mehr als 200’000 Opfer und eine Million Menschen wurden vertrieben. 45’000 Menschen sind „spurlos“ verschwunden. Entführt, verschleppt, gefoltert, ermordet. Entstellt wurden sie in Massengräbern verscharrt oder einfach auf die die Strasse geworfen. Laut dem Bericht der internationalen Wahrheitskommission sind 93% der Opfer durch den Staat, Militär, Polizei und Geheimkommandos zu verantworten, wogegen lediglich 3% der Verbrechen durch die Guerilleros verübt wurden. Wegen schwerer Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Beteiligung am Staatsterror wurde 1996, als Bestandteil der Friedensabkommen, die Policia Nacional  aufgelöst. Doch einflussreiche Kreise widersetzten sich der historischen Aufarbeitung des Grauens. Hartnäckig wurde die Existenz eines Archivs, das die Vorfälle belegt hätte, bestritten. Im Juli 2005 brachte ein Zufallsfund Licht ins Dunkel und alle Beteuerungen wurden als glatte Lügen entlarvt.

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Trauer, Wut und Empörung

In vergangen Monat bewegte die Katastrophe in einem Jugendheim die Menschen in Guatemala. Eingeschlossen in der Aula, den Flammen wissentlich ausgeliefert, fanden 40 junge Frauen einen qualvollen Tod.

Frauenorganisationen und betroffene Menschen riefen zu Anteilnahme und Protest auf. Tausende versammelten sich auf der Plaza de Constitución. Ein Blumenmeer und brennende Kerzen bezeugen immer noch Anteilnahme und Solidarität mit dem Opfern und ihren Angehörigen. Und sie klagen an: die notorischen Missstände und Korruption im Staat sowie Sexismus und Rassismus in der Gesellschaft.

Das Gedenken vor dem Parlamentsgebäude war nicht nur Ausdruck der Trauer und des Schmerzes sondern auch Zeichen von Wut und Empörung. Zwei Wochen lang kehrten jeden Abend Menschen zurück, um zu Gedenken. Sie fordern Sühne für die Opfer, Justiz für die Verantwortlichen und den Rücktritt der verantwortlichen Politiker.

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Angekommen!

Nun lebe ich seit sieben Wochen in Guatemala. Es war nicht Liebe auf den ersten Blick. Ich hatte mir vorgestellt, in ein warmes, grünes Land zu reisen. Das Gegenteil traf ein. Das Hochland um Quetzeltenango, wo ich die ersten Wochen verbrachte, zeigt sich zu dieser Jahreszeit braun, ausgedorrt und mit sehr erfrischenden Temperaturen.

Doch die Freundlichkeit und Höflichkeit der Menschen in Xela, so heisst die Stadt in der Sprache der indigenen Einheimischen, hat mich sehr berührt. In einer Stadt mit über 200’000 Menschen grüsst man sich auf der Strasse! Was für ein Widerspruch  zur verdeckten und offenen Gewalt, welche das Leben der Guatemaltekinnen und Guatemalteken auch prägt.

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Indigene Gemeindeanführer freigesprochen

Der Prozess gegen sieben Anführer der Maya-Q’anjob’al gegen Wasserkraftprojekte in Huehuetenango endet nach über einem Jahr Haft mit Freisprüchen. Nach elf Verhandlungstagen kam das Gericht am Freitag, 22. Juli 2016, zu dem Schluss, dass die Anschuldigungen ungerechtfertigt waren und die sieben Angeklagten sofort freigelassen werden müssen.

Richterin Yassmin Barrios erklärte nach dem Urteilsspruch: “Wir Richter dürfen nicht instrumentalisiert werden. Es kann nicht sein, dass Personen ohne Beweise verhaftet werden. In diesem Fall liegen keine Beweise vor. Die Angeklagten sind unschuldig. Sie wurden ungerechtfertigter Weise als indigene Führer angeklagt. Das Justizsystem und die Unternehmen rufe ich auf, es zu unterlassen, weiterhin die indigenen Völker zu kriminalisieren. Wir alle haben das Recht, in Frieden zu leben.”

Der ganze Artikel von Barbara Klitzke Rozas (2014 als PWS-Freiwillige in Guatemala im Einsatz) vom 25. 07. 2016 kann auf amerika21 gelesen werden.