Berracas

Berraca ist das kolumbianische Wort für „starke Frau“. Es steht für alles was Frauen hier in den letzten Jahren durchmachen mussten und vor allem dafür, dass sie trotzdem weiter kämpfen. Für ihre Rechte, für Ihre Familie, für Ihre Würde.
Starke Frauen treffen wir hier an jeder Ecke. Frauen, deren Männer umgebracht wurden. Frauen, deren Söhne bei den Guerilla, Paramilitärs, Drogendealer sind. Häufig sind auch zwei Söhne aus der gleichen Familie in zwei verfeindeten Gruppen. Frauen, die Gewalt erfahren haben. Die mit ihrer Familie flüchten mussten, die von heute auf morgen alleine im Leben standen weil ihr Partner verschleppt wurde.
Frauen, die sich, trotz all dem Unrecht welches Ihnen widerfahren ist, zusammen tun, aktiv werden, laut sind, sich nicht einschüchtern lassen.

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Hallo Barrancabermeja!

Vor fast einer Woche sind wir nun in Barrancabermeja angekommen. Nach 10 Tagen Einführung inBogotá, bei der wir unter Anderem die Spanische, Deutsche und Schweizer Botschaft besucht haben, so wie sehr viel über Kolumbien, seine Geschichte und den immer noch andauernden Konflikt gelernt haben. Bogotá hat uns fasziniert mit all seinen Facetten, allerdings haben wir viel gefroren und so haben wir uns über die Hitze in Barrancabermeja sehr gefreut. Die Dame am Busterminal schaute uns zwar so an, als könnte sie nicht ganz glauben, dass wir zwei typischen Backpacker Mädels wirklich nach Barrancabermeja wollten und sie sich nicht verhört hatte. Nachdem wir nochmals klargestellt hatten, dass sie schon richtig verstanden hatte und dass wir tatsächlich top-motiviert in diesen Bus steigen wollten, konnte die 10 stündige Fahrt auch schon beginnen!

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Colombian State fails victims of the armed conflict as farmer evictions continue

Original article published on my personal blog www.peaceinsightcolombia.com

The taste of social injustice, especially when committed by the State, is bitter. The feeling of impotence is overpowering.

On Wednesday 13 December, local government and police forces engineered a coup in the rural communities of El Guayabo and Bella Unión, in the Colombian department of Santander. About one hundred policemen, half of them from the riot control unit, successfully evicted 9 peasant families from their land (affecting at least 40 people). These farmers now face a humanitarian crisis due to loss of their livelihoods.

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Colombia’s dirty business: the role of private sector interests in the Colombian armed conflict, case study of Las Pavas

What are the impacts of armed conflict on a country’s economy? Most academics and conflict experts tend to stress the negative economic impact of armed conflict and civil war, what with the disruption of production and trade as well as the plundering and extortion of civilians.

Despite this widespread consensus, a few countries that have had long and protracted conflicts do not seem to have been very affected economically. Colombia is a prime example, with its almost unbroken history of economic growth and strong agricultural production coexisting with world-record levels of forced displacement, a product of its 50 year-old conflict.

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Bildung die schützt. Wie PAS Jugendlichen Strategien und Instrumente zum Selbstschutz vermittelt.

Interview mit Zenaide Rodrigues, Koordinatorin von Pensamiento y Accion social (PAS) und Verantwortliche des Begleitprogrammes von PWS in Kolumbien. Sie spricht über die Beteiligung der Jugendlichen am Schutz und der Bewahrung des gemeinschaftlichen Landes.

Workshop

Zenaide Rodrigues beim Leiten des Workshops: „Stärkung der Beteiligung der Jugendlichen an der Bewahrung des gemeinschaftlichen Landes“ mit Jugendlichen des Vereins ASOCAB in Las Pavas. 19.08.2017. Foto: Guillaume Bégert (PWS).

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Der Fluch des schwarzen Goldes

Seit Anfang dieses Jahres begleitet Peace Watch Switzerland wieder die Gemeinde El Hatillo im Nordosten Kolumbiens. Die Gemeinde sitzt regelrecht auf Kohle und rundherum wird diese in verschiedenen Minen abgebaut. Die Dorfgemeinschaft ist den Folgen des Kohletagebaus schutzlos ausgesetzt. Ende März besuchten wir El Hatillo zum ersten Mal. Dort haben wir eine Woche lang die Líderes der Gemeinde bei ihrem Kampf für eine rasche und faire Umsiedlung begleitet.

Ein Berg, der keiner ist

Schon von Weitem sehen wir die riesigen Abraumhalden der Mine. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Berge und dominieren die sonst flache Landschaft. Sie sind durch das Aufschütten vom Aushub aus dem Tagebau entstanden. Unser Tuk-tuk rattert in Schlangenlinien über die unebene Landstrasse, die von der Kleinstadt La Loma zum Dorf El Hatillo führt. Die Strasse ist auf beiden Seiten mit Stacheldraht eingezäunt, auf der einen Seite liegt die Mine, auf der anderen die trockene Steppe, beide sind im Besitz des Bergbauunternehmens. Der Boden ist von einer weiss-grauen Staubschicht bedeckt, Staub vom Kohletagebau der benachbarten Mine. Das Dorf El Hatillo liegt in mitten des Kohleabbaugebietes. Seine unmittelbaren Nachbarn sind niemand Geringeres als drei Kohleminen der internationalen Rohstoffgiganten Drummond, Glencore Xstrata mit ihrer Tochterfirma Prodeco und CNR (Colombian Natural Ressources), welche dem US amerikanischen Finanzinstitut Goldman Sachs gehört.

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Die Powerfrauen der Benzinhauptstadt

Schon wieder sind vier Monate um und es meldet sich ein neues Beobachterteam (Deborah und Antonin) aus Barrancabermeja, Kolumbien. Unsere ersten Wochen waren turbulent, wir trafen uns mit vielen Organisationen, traten unsere ersten Reisen nach Guayabo und Garzal an und lernten viele spannende Leute kennen. Besonders beeindruckt aber haben uns die Menschenrechtsaktivistinnen einer lokalen Frauenorganisation.

Neues Team, neue Eindrücke

Nach Barrancabermeja? Ungläubig schaut mich der Busfahrer an. Die Frage ist immer die gleiche, wenn mich Kolumbianer darauf ansprechen, wo ich hinreise. Denn in die Industriestadt am Rio Magdalena verirrt sich nur selten ein Tourist. Nach zehn Stunden Fahrt in einem stark unterkühlten Bus erreichen wir unser neues Zuhause für vier Monate. Barrancabermeja, von den Einheimischen auf Barranca abgekürzt. Von hier aus werden wir in den nächsten Monaten unsere Reisen in die verschiedenen Comunidades antreten.

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Gute Neuigkeiten aus El Guayabo

Großartige Neuigkeiten für die Bewohner der Gemeinden El Guayabo und Bella Unión! Nach über einem halben Jahr, konnten vor einigen Tagen die Gemeindeanführer Eric, Jhon Fredy und Santos Peña nach Hause zu ihren Familien zurückkehren. Seit April hatten sie sich versteckt halten müssen. Grund hierfür waren Haftbefehle, die Rodrigo Lopez Henao bei der Staatsanwaltschaft erwirkt hatte, im Zuge seiner Strategie, Gemeindeanführer und Menschenrechtsverteidiger zu kriminalisieren und als gewaltbereite Unruhestifter darzustellen. Nach monatelangen Verhandlungen zwischen ihren Anwälten und der zuständigen Staatsanwältin, aber vor allem durch den konsequenten Druck sozialer Organisationen wie PAS und des Menschenrechtsbüros der Vereinten Nationen, ist der Albtraum für sie und ihre Familien nun endlich vorüber.

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Leben im Schatten eines Staudamms – PWS evaluiert die Begleitung neuer Gemeinden

Mary ist nicht die Einzige, der die Tränen kommen, wenn sie von der Zeit erzählt, bevor der riesige Staudamm errichtet wurde, der über uns thront. In Anbetracht der Landschaft, die sich uns bei unserem Besuch in der Gegend um den Sogamoso-Fluss zwischen Barrancabermeja und Bucaramanga bietet, ist es nicht schwer sich das Paradies vorzustellen, von dem die Gemeinde-Anführerin und die Bewohner der umliegenden Dörfer allesamt schwärmen. Doch damit ist es seit 2008 vorbei. Seit die Firma ISAGEN eines der größten Wasserkraftwerke Kolumbiens in der Region errichtet hat, hat sich ihr Leben radikal verändert.

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Neue Methoden der Vertreibung

Vertreibungen der Zivilbevölkerung haben in Kolumbien seit jeher mit Gewalt stattgefunden. Grossgrundbesitzer und Viehzüchter, Drogenhändler und transnationale Unternehmen heuern bewaffnete Schlägertrupps an, um Bauern und Bäuerinnen gewaltsam von ihrem Land zu vertreiben. Oft wurde der bewaffnete Konflikt zwischen Staat und Guerillagruppierungen genutzt, um gegen Bauerngemeinschaften als angebliche Unterstützer der Guerilla vorzugehen und brutalste Massaker zu verüben. Seit die Gewalt im Lande im Zuge des Demobilisierungsprozesses der Paramilitärs und des Friedensprozesses mit den FARC merklich zurückgegangen ist, bedienen sich oben genannte Gruppen neuer und subtilerer Methoden, um sich Land für wirtschaftliche Groß-projekte, den Anbau oder Transport von Drogen oder andere Aktivitäten anzueignen. Zwar spielt die Gewalt und die Androhung von Gewalt immer noch eine wichtige Rolle in den vielen Landprozessen, doch die Mittel mit denen heute gegen BauerInnen vorgegangen wird, haben sich in vielen Fällen verändert, wenngleich sie ähnlich effektiv sind. Um diese Methoden und die Mischung aus psychologischem Terror, der Beeinflussung von Behörden und Gerichten, Drohungen, bewusster Spaltung von Gemeinschaften und Gewalt zu verdeutlichen, soll sich dieser Artikel mit dem Fall von Emilce, einer Bäuerin aus der Gemeinde Bella Unión und dem Kampf um die Verteidigung ihres Landes beschäftigen.

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