Choluteca in Aufruhr: Bürgerwiderstand gegen das grosse private Busterminal

Artikel von Noé Yanik Käch, internationaler Menschenrechtsbeobachter von Peace Watch Switzerland (PWS) in Honduras.

Tegucigalpa, Honduras

Im Herzen von Choluteca, Honduras, entfachte ein erbitterter Konflikt zwischen der Bevölkerung und den lokalen Behörden, ausgelöst durch den Bau des „Gran Terminal del Pacífico“ (privates Busterminal). Dieses Projekt, das während der Pandemie von der Gemeinde initiiert wurde, sorgt für zunehmenden Unmut unter den Bürger*innen, die es als Verletzung ihrer Rechte und als Missachtung ihrer Forderungen ansehen.

Die Ursprünge des Konflikts

Die Busstation wurde als ein Projekt präsentiert, das den öffentlichen Verkehr in der Region modernisieren und den Verkehr im Zentrum von Choluteca entlasten sollte. Doch seit der Ankündigung im Oktober 2020 äusserte die Gemeinschaft von Choluteca Skepsis und Widerstand. Bürger*innen, die sich in Komitees und Widerstandsgruppen organisiert haben, wiesen darauf hin, dass das Terminal nicht nur den öffentlichen Verkehr monopolisieren, sondern auch die Einnahmen kleiner Unternehmer*innen und Arbeiter*innen gefährden würde, die auf die bestehenden Routen und Terminals angewiesen sind.

Das Projekt wurde vom Bürgermeister von Choluteca, Quintín Soriano, an das Privatunternehmen Flefil & Asociados für 20 Jahre vergeben und später an die Gruppe W übertragen, die von der Familie Williams gegründet wurde – eine der mächtigsten Familien im Süden von Honduras und Eigentümerin des Grundstücks, auf dem das Busterminal gebaut wurde. Obwohl das Gesetz vorschreibt, Projekte dieser Art mit der Gemeinschaft zu konsultieren, fanden keine Vorabkonsultationen statt, was den Unmut weiter verstärkte.[1]

Darüber hinaus wurde das Busterminal 12 km ausserhalb des Zentrums von Choluteca an einer gefährlichen Kurve gebaut, an der es bereits einen tödlichen Unfall gab. Intercity-Busse dürfen keine Fahrgäste im Stadtzentrum absetzen; sie müssen zuerst zum Busterminal fahren, was diejenigen, die ins Stadtzentrum möchten, zu einem langen Umweg zwingt und die Fahrkosten auf das Dreifache der vorherigen Preise erhöht. Ein weiterer Grund für den Unmut ist, dass 80 % der Gebühren direkt an das Privatunternehmen gezahlt werden müssen, während nur 20 % an die Gemeinde gehen – was als korrupt und als schlechte Verhandlung der Behörden angesehen wird.

Mobilisierung und Widerstand

Der Bürgerwiderstand intensivierte sich im Laufe des Jahres 2023 mit zahlreichen Protesten und Strassenblockaden, die von lokalen Gruppen organisiert wurden. Ein schlimmes Ereignis, das die Aufmerksamkeit vieler Menschenrechtsorganisationen erregte, war der 26. April 2024, als die Nationalpolizei gewaltsam mit Schusswaffen und Tränengas eine Blockade an einer Abzweigung etwas ausserhalb von der Stadt Choluteca räumte, wo mehr als 1.500 Demonstranten die Einstellung des Betriebs des Busterminals forderten. Laut der Organisation „Frente Triunfeño en Defensa por la Vida“ (FTDV) führte die Repression zu acht Schussverletzten, meist junge Menschen, und zahlreichen Übergriffen durch die Ordnungskräfte.

Die Proteste waren geprägt von Berichten über willkürliche Festnahmen, übermässige Gewaltanwendung und Drohungen gegen die Demonstranten. Mehrere soziale Führungspersönlichkeiten erhielten Morddrohungen durch Anrufe aus dem Ausland oder von lokalen Banden. Darüber hinaus begann das nationale Transportunternehmen IHTT, jede Intercity-Buslinie mit Geldstrafen von 5.000 bis 15.000 Lempiras (zwischen 175 und 525 Schweizer Franken) zu belegen, wenn sie Fahrgäste absetzten, bevor sie das Busterminal erreichten.

Verschiedene Menschenrechtsorganisationen, wie das „Movimiento Ambientalista Social del Sur por la Vida“ (Massvida), haben diese Übergriffe dokumentiert und die Behörden aufgefordert, das Recht auf friedlichen Protest zu respektieren. Seit dem 12. August 2024 besetzen die Einwohner*innen von Choluteca und den Grenzgemeinden (Transportarbeiter*innen, Händler*innen, Marktnutzer*innen) das Rathaus von Choluteca, um den Bürgermeister und die Behörden dazu zu drängen, Massnahmen zur Einstellung des Betriebs des privaten Busterminals für öffentliche Busse zu ergreifen. Bisher gibt es keine Lösung; Stattdessen wurden zwei Klagen eingereicht: Eine vom Busterminal wegen Schäden und Drohungen und eine von der Gemeinde wegen Hausfriedensbruchs durch die Besetzung des Rathauses.

Seit der gewaltsamen Räumung am 26. April 2024 beobachtet und begleitet PWS den Widerstand gegen das private Busterminal aktiv. Seit dem ersten Tag der Besetzung des Rathauses ist PWS mit zwei Teams vor Ort präsent.

Ausblick des Wiederstands

Trotz der Repression bleibt die Bevölkerung von Choluteca fest entschlossen in ihrem Kampf. Der Widerstand gegen das private Busterminal hat Bürger*innen aller Altersgruppen und sozialen Schichten in einer Bewegung vereint, die die Grenzen der Region überschreitet. Die Demonstranten fordern die Einstellung des Betriebs des privaten Busterminals, bis eine vollständige Prüfung durchgeführt, die Gemeinschaft konsultiert und die Interessen der Bürger*innen priorisiert werden. PWS beobachtet weiterhin den Prozess der friedlichen und unbefristeten Besetzung des Rathauses von Choluteca.

Schlussfolgerung

Der Fall Choluteca ist eine Erinnerung daran, dass Entwicklung nicht von oben herab durchgesetzt werden kann, ohne die Zustimmung und aktive Beteiligung der Gemeinschaft. Solange das private Busterminal in Betrieb bleibt, wird der Bürgerwiderstand ein Leuchtturm der Hoffnung im Kampf für eine gerechtere und gleichberechtigtere Zukunft für alle bleiben.


Foto: Besetzung des Büros des Bürgermeisters von Choluteca, Foto aufgenommen von einem PWS-Freiwilligen.

[1] https://contracorriente.red/2024/05/06/la-granterpa-la-concesion-que-desperto-la-resistencia-de-las-comunidades-y-a-la-policia-represora-en-el-gobierno-de-xiomara-castro/