Angeklagt! Zehn Campesinos sagen aus

Die Stimmung im Saal ist aufgeheizt – im wahrsten Sinne des Wortes: Der heftige Regen letzte Nacht hat für einen Stromausfall gesorgt, sodass die Ventilatoren den Geist aufgegeben haben. Zusammen mit ca. 40 Personen aus Guayabo und Bella Unión sitzen wir im heissen Verhandlungsraum in Vijagual und wischen uns den Schweiss von der Stirn. Es ist die zweite Verhandlung im Fall Rodrigo.

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Der Kampf ums Land

HONDURAS. Wirklich hoch gehen sie nicht. Doch jedes Mal wenn der spitze, steil aufragende Bug des langen schmalen Bootes frontal in eine der hüfthohen Wellen sticht, peitscht die Gischt auf und verteilt sich als feiner salziger Sprühregen über die gut dreissig Passagiere. Die einen schreien dann laut auf aus Freude und Aufregung über die kühlende Dusche – etwa so wie beim Nervenkitzel auf der Achterbahn im Vergnügungspark. Bei jenen die nicht schwimmen können und sich beim Einsteigen als erste die Schwimmwesten übergezogen haben, scheint mir im Aufschrei auch eine leise Beklemmung mitzuschwingen.

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Mit Schirm, Charme und Sombrero

KOLUMBIEN. Frühmorgens brechen wir in Richtung “El Garzal” auf. Während wir am Hafen auf unsere Chalupa (Boot) warten, geht am Rio Magdalena langsam die Sonne auf und wirft sanft ihr goldenes Licht aufs Wasser. So verschlafen wir uns noch fühlen, müssen wir beim Anblick des schönen Naturschauspiels zugeben: Morgenstund hat Gold im Mund. Wir sind zusammen mit der nordamerikanischen Menschenrechtsorganisation “Equipos Cristianos de Acción por la Paz” (ECAP), der kolumbianischen Menschenrechtsorganisation “Justapaz” sowie der staatlichen “Agencia Nacional de Tierra” (ANT) unterwegs.

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“La Esperanza” y “Utopia”: das Vermächtnis von Berta Cáceres

HONDURAS. La Esperanza, ein schöner Name für eine kleine Stadt auf 1800 m Höhe in den grünen Bergen im Norden Honduras. Esperanza/Hoffnung auf Gerechtigkeit, auf Einhaltung der fundamentalen Menschenrechte, auf ein funktionierendes Rechtssystem, auf Respektierung der Rechte der indigenen Bevölkerung in ihrem Kampf um Wasser, Wald und Boden. Wünsche, die in Honduras in weiter Ferne liegen und nur im harten Kampf gegen Korruption, Vetternwirtschaft, Manipulation der Gesetze zugunsten der wirtschaftlichen Interessen der Machthaber und der Kriminalisierung der engagierten Bevölkerung erreicht werden können. La Esperanza, der Geburtsort von Berta Cáceres, der Mitbegründerin und Vorsitzenden der COPINH, der Basisorganisation, die sich für eben diese Rechte der indigenen Bevölkerung einsetzt. Berta Cáceres, weltbekannte, unermüdliche und äusserst beliebte Kämpferin, die vor drei Jahren erschossen wurde, weil sie den Interessen der Regierung und ihren Wirtschaftspartnern im Wege stand. Continue reading

Schutt und Asche unter Palmen

KOLUMBIEN. Auf unserer Fahrt nach Las Pavas passieren wir mit Palmen gesäumte Wege, die karibisches Flair wie im Ferienkatalog vermitteln. Doch hinter den Palmen verbergen sich kein weisser Sandstrand und Sonnenschirmchendrinks, sondern die skrupellose Palmölfirma “San Isidro”. Sie ist dafür verantwortlich, dass der grösste Teil der einst hier ansässigen Campesin@s ihr Land und ihre Häuser verlassen mussten. Von den ehemals über 100 Familien, die in Las Pavas gelebt haben, sind inzwischen wieder 10 Familien zurückgekehrt, wie uns einer der Bauern berichtet. Die übrigen Campesin@s sind ins benachbarte Buenos Aires geflohen.

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Die Allianz PWS – PAS (Pensamiento y Acción Social) feiert das 10-Jahre-Jubiläum

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KOLUMBIEN. Vor genau zehn Jahren, im März 2009, machte Peace Watch Switzerland (PWS), zusammen mit PAS, sein Begleitprojekt in Kolumbien offiziell. Ein Freiwilligenteam startete mit den Begleitungen von Gemeinschaften, die sich für ihr Territorium und die Menschenrechte einsetzten. Seither taten es ihnen Dutzende von Freiwilligen gleich und begleiteten Hunderte von Personen.

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Pressefreiheit

HONDURAS. Verpflegt werden wir. Auch wenn dazu keine formelle Verpflichtung oder Abmachung besteht. Wir essen dann halt, wenn sie das Gefühl haben, es sei jetzt an der Zeit, und nicht unbedingt wenn wir Hunger haben. Überhaupt sind wir sehr genügsam, duldsam, flexibel, anpassungsfähig und verständnisvoll.

Wir hätten Jairo um 11 Uhr an der Busstation in Choluteca abholen sollen, um ihn auf seiner Fahrt nach Tegucigalpa zu begleiten. Er meldet per Telefon, er sei verspätet. Gegen Mittag trifft er mit einem Freund ein. Zuerst geht es in die grosse Shopping Mall zur Bank und zum Telecomanbieter. Dann muss das Auto eines anderen Freundes in der Garage abgeholt werden. Danach fahren wir zu seinem Domizil, wo klar wird, dass ihn seine Frau und die achtjährige Tochter begleiten werden. Nun werden zwei Fahrzeuge bepackt, es wird ein- und umgeladen. Koffer, Taschen, Schachteln, riesige Plastikkörbe vollgestopft mit Wäsche. Das wird definitiv mehr als ein Wochenendausflug. Es folgen emotionale Verabschiedungen von Familie und Nachbarn. Der Reifendruck muss noch kontrolliert und Diesel nachgefüllt werden. Gegen zwei Uhr rollen wir aus der Stadt.

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Menschenrechte in der Krise

GUATEMALA. Seit dem 10. Oktober letzten Jahres bin ich nun Teil des Begleitprojekts ACOGUATE in Guatemala. Nicht nur für mich hat es sich um eine viel bewegte Zeit gehandelt. Guatemala befindet sich in einer politischen Krise. Im Jahr 2015 wurde der damalige Präsident Otto Pérez Molina durch den Druck der Strasse aus dem Amt gedrängt und Minuten nach seinem Rücktritt festgenommen. Der Grund: Korruption. Natürlich war das Problem damit nicht aus der Welt geschaffen. Vielmehr hat es mit dem aktuellen Amtsträger eine tragisch-komische Note bekommen.

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Gerechtigkeit für El Guayabo?

KOLUMBIEN. Als wir am 6. Februar um 9 Uhr morgens mit dem Boot in Puerto Wilches eintreffen, prallt uns die Hitze bereits erbarmungslos entgegen. Wir befinden uns auf dem Weg aufs Polizeipräsidium, wo die Anhörung zur geplanten Vertreibung der Bevölkerung Guayabos in Kürze beginnen soll. Rodrigo erhebt Anspruch auf das Land von El Guayabo und hat mit Unterstützung der Polizei und des Paramilitärs bereits versucht, die Bevölkerung Guayabos von dort zu vertreiben (s. Blogeintrag vom 7. Juni 2018). Begleitet  werden wir von PAS-Koordinatorin Maritza sowie Gabriel, dem Anwalt der Gemeinschaft von El Guayabo.

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Wasser, Strom und Menschenrechte

GUATEMALA. Die ganze Welt spricht über den Klimawandel, über die Veränderungen, die uns bevorstehen und die Anpassungen, welche wir endlich vornehmen müssen, um das würdige Leben zukünftiger Generationen auf diesem Planeten zu gewährleisten. Im Angesicht der überwältigenden Dimension dieses schwer fassbaren Problems wird eine Vielzahl von Lösungsansätzen formuliert, welche gezwungenermassen immer eine massive Vereinfachung der Problemstellung bedeuten. So zum Beispiel die Zweiteilung in saubere Energiegewinnung, etwa durch Wasserkraft, und schmutzige Energiequellen, wie die Kohle.

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