Honduras. Erfahrungsbericht zu meinem ersten Eindruck in Honduras: Ich bin empört!

Ich bin erst seit gut zwei Monaten hier in Honduras und es fällt mir schwer zu glauben, was ich sehe, höre und lese. Ich wusste ja, bevor ich hierherkam, dass die Situation  in Land schwierig und kompliziert ist. Aber dies im Detail zu sehen, lässt mich staunen und macht mich wütend.

Die Ungerechtigkeit und die Heuchelei in der Führung dieses Landes sind unverschämt. Es gibt etliche Organisationen, die für Gerechtigkeit kämpfen, sich einsetzen, die Menschenrechte verteidigen und schützen – aber Veränderungen zeigen sich nur langsam.

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Honduras. PWS-Begleitung für COFADEH in einem Gerichtsverfahren gegen vier Polizisten

Die internationale Menschenrechtsbeobachtung umfasst je nach gesetzlichem Rahmen und gesellschaftlichem Kontext unterschiedliche Bereiche und Instanzen. In der internationalen Begleit- und Beobachtungsarbeit von Peace Watch Switzerland (PWS) sind die Sichtbarkeit und das Monitoring der aktuellen Menschenrechtslage in Honduras essenziell.

PWS begleitet aktuell die honduranische Organisation Komitee der Angehörigen von Inhaftierten und Verschwundenen in Honduras (auf Spanisch kurz COFADEH) beim öffentlichen Prozess gegen vier Polizisten des Tigre-Kommandos[1] wegen des mutmasslichen Mordes an Rinel Argueta. Der Prozess vor dem Gericht von Juticalpa wurde am 27., 28. und 29. April durchgeführt, die Abschlussphase des Prozesses ist am 4. Mai und die Urteilsverkündung für den 15. Juni 2021 geplant.

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Honduras. Begleitung für uns: Der psychosoziale Ansatz in der internationalen Beobachtung

Tegucigalpa, Honduras

Der psychosoziale Ansatz ist in Lateinamerika weit verbreitet und hat eine lange Tradition. Der Ansatz geht davon aus, dass eine Person das Ergebnis ihrer sozialen Beziehungen und der historisch-politischen Kontexte ist, in denen sie sich entwickelt. Ebenso können die «Schäden» und Traumata, die im Kontext politischer Gewalt und Verletzung der Menschenrechte auftreten, nur in ihrer sozialhistorischen Dimension verstanden werden. Ausgehend von diesem Verständnis besteht das Ziel des Ansatzes darin, die Auswirkungen dieser Gewalt zu mildern und die Bewältigungsreaktionen auf diese Situationen zu stärken. Mit anderen Worten, es ist nicht denkbar, mit Gemeinschaften zu arbeiten, ohne den Kontext zu verstehen und zu kennen, der sowohl Menschen in ihrem individuellen Charakter als auch in der Gemeinschaft betrifft und der die Kapazitäten, Ressourcen und Stärken jeder Gemeinschaft berücksichtigt.

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Honduras. Internationaler Tag des Wassers 22. März 2021: Lassen Sie mich Ihren Tag unterbrechen!

“Oh, ich habe ein schlechtes Gewissen, weil die Autos nicht durchkommen!”

“Die werden auch mal Wasser wollen.”

Das war der Wortwechsel zwischen meiner Teamkollegin und mir, als wir einen Marsch zum Tag des Wassers in Costa Azul, Honduras, begleiteten. Die Demonstrant*innen hatten sich inmitten einer vielbefahrenen Strasse versammelt, und die Fahrzeuge konnten nicht passieren. Die Fahrer wurden wütend und haben ein “Hupkonzert” veranstaltet. Es tat mir leid, dass der Marsch ihren Tag unterbrach, aber das war der Moment, in dem ich die Einsicht hatte. Ja. Auch sie werden Wasser wollen. Wir werden Wasser wollen. Für mich, die ich aus der Schweiz komme, wo wir viele Quellen, Flüsse, Seen und Grundwasser haben, war das ein weit entferntes Problem. Weit in der Zukunft, etwas das mich vielleicht nie betreffen würde. Aber in diesem Moment habe ich verstanden, dass das Wasser für diese Gemeinde in diesem Moment schon ausgeht. Die Landschaft sieht trocken aus. Alles hat die gleiche braun-beige Farbe und ist mit trockenem Staub belegt. Die Flüsse haben kaum mehr Wasser, und die Trockenzeit hat gerade erst begonnen. Und ja, das hier sind wirklich echte Menschen, mit Gesichtern, Kindern, Grosseltern.

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HONDURAS. Zusammenarbeit und Vernetzung als Werkzeug für die Menschenrechtsarbeit

Die Zusammenarbeit und Koordination mit anderen Akteuren sowie die Vernetzung sind ein wichtiges Instrument in der Werkzeugkiste von Organisationen, die sich für die Wirkung zivilgesellschaftlicher Aktion einsetzen. In konfliktbetroffenen Kontexten hat die koordinierte, vernetzte Aktivität gar eine Doppelfunktion: Gemeinsames Auftreten verstärkt nicht nur die Wirkung und Verbreitung des zivilgesellschaftlichen Engagements; sie erhöht auch den Schutz von Menschen und Gemeinden, die unter erheblichen Sicherheitsrisiken ihre Rechte geltend machen, ihren Lebensraum und Lebens-grundlagen verteidigen, die Gemeinschaftsgüter und Natur schützen.

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Migration, Menschenrechte, Gemeingüter und Begleitung

Die Wirbelstürme Eta und Iota haben die zum Teil extreme Armut in der viele Honduraner*innen leben noch verschärft. Zur Armut kommen Korruption, Gewalt und Straflosigkeit. Am vergangenen 15. Januar haben sich mehrere Tausende Menschen in Honduras zu Fuss aufgemacht, um in die USA zu kommen. Hinter der Grenze zu Guatemala, über die mindestens 4500 Menschen gelangten, wurden sie von der Polizei und dem Militär Guatemalas brutal zurückgehalten.

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HONDURAS. 3 Jahre Widerstand gegen das Wasserkraftprojekt in Reitoca – die Gemeinde denkt nicht ans Aufgeben!

Am 15. Januar 2021 feierte der Indigene Rat der Lenca in Reitoca (Consejo Indígena Lenca de Reitoca CILR) den dritten Jahrestag seit Beginn des organisierten Widerstands gegen das Wasserkraftwerk und zur Verteidigung des lebensspendenden Flusses Petacón.

Seit Anfang 2018 gibt es in Reitoca eine geschlossene Opposition gegen das Wasserkraftprojekt. Die geplante Umnutzung des Flusses Petacón – oder Río Reitoca, wie ihn die Menschen nennen – für die private Gewinnung von Wasserkraft würde das Ökosystem in der Region, sowie den Lebensraum der dort ansässigen ländlichen Bevölkerung nachhaltig verändern. Die Konzession zum Bau des Kraftwerks war mit privater Finanzierung an die honduranische Gesellschaft PROGELSA[1] vergeben worden. Die Bevölkerung, die im Einzugsgebiet des Flusses lebt, wurde dazu nicht befragt, wie es die Konvention 169 der ILO vorschreibt. Die honduranische Regierung hat diese Konvention unterzeichnet. Darauf stützt sich nun der juristische Kampf der indigenen Lenca-Gemeinde von Reitoca, die ihr Recht auf Anhörung und Mitsprache geltend machen will.

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HONDURAS. Erfahrungsbericht einer Menschenrechtsbegleiterin

Deysi Blandín war Ende 2020 als internationale Menschenrechtsbegleiterin im Projekt ACO-H in Honduras im Einsatz. Im folgenden Bericht stellt sie sich vor und erzählt von ihrem Einsatz.

Mein Name ist Deysi Blandín, ich bin 31 Jahre alt, Honduranerin , in Tegucigalpa geboren und aufgewachsen. Ich habe Informatik studiert, und heute bin ich Praktikantin im Fach Psychologie an der Universidad Autónoma de Honduras. Ich habe am «Diplomkurs “Empowerment Junge Frauen und Menschenrechtsverteigerinnen” teilgenommen. Der Kurs wird von der feministischen Frauenbewegung “Mujeres por la Paz Vistación Padilla” angeboten. Die Frauenbewegung begleitet viele Frauen, mit dem Ziel, die geschlechterbasierte Gewalt an Frauen in unserem Land zu bekämpfen.

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Honduras. Internationale Menschenrechtsbegleitung zu COVID-Zeiten

Im September hat Peace Watch Switzerland (PWS) die physische Menschenrechtsbegleitung mit Besuchen bei Basisorganisationen und Begleitungen von Menschenrechtsverteidiger*innen in Honduras wieder aufgenommen. Wegen der nationalen Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie – Ausgangssperren, Schliessung der Grenzen und Flughäfen, regionale Reise-einschränkungen – hatte PWS den Kontakt zu den begleiteten Gemeinschaften auf Distanz mit regelmässigen Telefongesprächen wahrgenommen. Dies war wichtig, denn auch während der Covid-bedingten Schliessungen wurden juristische Prozesse weitergeführt und geplante Projekte von Investorenseite weitergetrieben.

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Honduras. Vertreibung und Verteidigung der Gemeingüter im Süden von Honduras

Die Bevölkerung im Landkreis Namasigüe, Bezirk von Choluteca, lebt im Wesentlichen von der Landwirtschaft. Das Gebiet ist von einem trockenen Klima geprägt, und es wächst ein lockerer Wald; die meisten der Baumarten sind an die Klimazone angepasst, so wie der Kalebassenbaum, Mangobaum und Cashewbaum. Wie uns die von PWS begleiteten Gemeinden erzählen, waren die Wasserquellen früher zwar begrenzt aber ausreichend für die Familien. Es gab Wasser aus Brunnen und anderen kleinen Gewässern. Continue reading