Dreissig Jahre nach dem Tod von Blanca Jeannette Kawas bleibt Honduras ein unsicheres Land für Umweltaktivist:innen

Artikel von Karla, internationale Menschenrechtsbegleiterin von Peace Watch Switzerland (PWS).

Tegucigalpa, Honduras

1995 wurde Blanca Jeannette Kawas ermordet und ihr Fall wurde von den staatlichen Justizbehörden bis heute nicht aufgeklärt. Auch im Jahr 2025 sind Menschen, die sich für den Schutz ihres Territoriums einsetzen, weiterhin Opfer dieser Straflosigkeit.

Blanca Jeannette Kawas wurde am 16. Januar 1946 in Tela, Atlantida, geboren.
Sie war die erste Umweltaktivistin in Honduras, bekannt für ihren unermüdlichen Einsatz zum Schutz des ökologischen und kulturellen Reichtums der Bucht von Tela. Ihre Schutzarbeit wurde jedoch abrupt unterbrochen, als sie am 6. Februar 1995 in ihrem Wohnhaus erschossen wurde.

Zum Zeitpunkt ihres Mordes war Kawas Präsidentin der Stiftung PROLANSATE, die sich für den Schutz von Lancetilla, Punta Sal, Punta Izopo und Texiguat einsetzte. Die Organisation verfolgte das Ziel, die Lebensqualität der Bewohnenden der Einzugsgebiete der Bucht von Tela zu verbessern.
In ihrer Funktion als Präsidentin deckte sie die Absichten privater Akteure auf, die versuchten, sich der Halbinsel Punta Sal zu bemächtigen und bekämpfe die Verschmutzung der Gewässer und die Abholzung der Wälder in dieser Region. Darüber hinaus erreichte sie 1994 die Verabschiedung des Gesetzes Nr. 154-94 durch den Nationalkongress, wodurch Punta Sal im Departement Atlantida den Status eines Nationalparks erhielt.

Wie hat der Staat den Fall untersucht?

Der Staat Honduras steht in der Kritik, weil er den Mord an Blanca Jeannette Kawas nur schleppend und nachlässig untersucht hat. 2009 entschied die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte (IAKMR), dass Honduras für die Verletzung grundlegender Menschenrechte verantwortlich ist – darunter das Recht auf Leben sowie auf gerichtlichen Schutz, wie in der Amerikanischen Menschenrechtskonvention festgelegt. Weiter stellte die IAKMR fest, dass mindestens ein Regierungsbeamter versucht hat, die Ermittlungen zu behindern.

30 Jahre nach dem Mord und 16 Jahre nach dem Urteil der IAKMR gibt es noch immer kaum Fortschritte bei der Aufklärung des Falles.

Bei der letzten Überprüfung im Jahr 2022 äusserte die IAKMR grosse Besorgnis darüber, dass Honduras bis heute die in der Resolution von 2017 geforderten Informationen nicht übermittelt hat. Stattdessen beschränkt sich der Staat darauf, einige punktuelle Massnahmen aus den Jahren 2015, 2016 und 2019 sowie über weitere Massnahmen ohne Datumsangabe zu berichten. Zudem wurden weder die Ergebnisse der gemeldeten Massnahmen noch deren Zusammenhang mit den Ermittlungsansätzen dargelegt. Auch Beweise, wie sie in der genannten Resolution von 2017 gefordert wurden, wurden nicht vorgelegt“ (IAKMR, 2022, S. 5)

Die Geschichte wiederholt sich

Die Mängel bei der Untersuchung des Falles Blanca Jeannette Kawas zeigen ein anhaltendes Muster des honduranischen Staates: ein Umfeld struktureller Straflosigkeit und fehlender realer Schutzgarantien für Umweltverteidiger:innen. Diese Situation besteht nicht nur seit langem, sondern wiederholt sich auch bei neuen Fällen.

Einer der jüngsten Fälle ist der Mord an Juan López im September 2024. Als Koordinator des Kommunalen Komitees für Gemeingüter und öffentliche Ressourcen in Tocoa war López eine wichtige Persönlichkeit im Schutz der Flüsse Guapinol und San Pedro sowie des Nationalparks Montaña de Botaderos. Ausserdem war er ein entschiedener Gegner des riesigen Bergbauprojekts von Emco Holdings Los Pinares Ecotek.

Besonders besorgniserregend ist, dass Juan zum Zeitpunkt seines Todes unter Schutzmassnahmen stand, was seinen Mord noch alarmierender macht. Fast neun Monate nach seinem Tod haben die honduranischen Behörden weder die Drahtzieher noch die Täter identifiziert oder festgenommen. „Juan ist gestorben, weil der Staat ihn nicht geschützt hat“, so seine Mitstreiter:innen, die lautstark Gerechtigkeit und Aufklärung des Mordes fordern.

Ein weiterer bedeutender Fall ist der von Berta Cáceres, die im Jahr 2016 ermordet wurde. Sie war Generalkoordinatorin des Bürgerlichen Rates der Volks- und Indigenenorganisationen von Honduras (COPINH) und setzte sich stark gegen das Wasserkraftprojekt Agua Zarca am Río Gualcarque ein. Berta wurde trotz bestehender Schutzmassnahmen getötet. Zwar wurden einige Täter verurteilt, doch die Ermittlungen gegen die Hintermänner sind weiterhin eine offene Herausforderung für das honduranische Justizsystem.

Rund um diesen Fall wurde die Interdisziplinäre Gruppe unabhängiger Expert:innen (GIEI) eingerichtet, deren Auftrag es ist, die Hintermänner und damit zusammenhängende Straftaten aufzuklären. Ihre Arbeit ist unabhängig und unparteiisch. Für ihre Ermittlungen wird sie Dialoge mit Opfern und Zeugen sowie mit staatlichen Behörden und zivilgesellschaftlichen Organisationen führen.

Die Gewalt gegen Umweltverteidiger:innen ist zweifellos ein besorgniserregendes Thema, das sofortiges und wirksames Handeln seitens des Staates erfordert. Obwohl es Verurteilungen gegen einige direkte Täter gibt, fehlt es weiterhin an gründlichen Ermittlungen zu den verantwortlichen Personen in Mordfällen an Umweltaktivist:innen. Dies begünstigt die anhaltende Gewalt.

Es ist von grosser Bedeutung, wirksame Massnahmen zum Schutz der Umweltverteidiger:innen zu ergreifen und den Opfern durch konkrete Ermittlungen Gerechtigkeit zu garantieren.

Peace Watch Switzerland (PWS) wird weiterhin die Verteidiger:innen des Landes auf ihrem Weg zur Gerechtigkeit begleiten.


Foto: „Nach 30 Jahren ohne Gerechtigkeit sagen wir Blanca Jeannette Kawas.“ Quelle: Überwachungskomitee für Urteilsumsetzung, CEJIL, 2025.