Honduras wählte, doch die Demokratie blieb auf der Strecke

Artikel von Tabea, internationale Menschenrechtsbegleiterin von Peace Watch Switzerland (PWS) in Honduras.

Tegucigalpa, Francisco Morazán, Honduras

Am 30. November 2025 gingen 3.9 Millionen Honduranerinnen und Honduraner – rund 60% der Bevölkerung – an die Urne. Neben einem neuen Präsidenten wählten sie auch Abgeordnete und Stadt- bzw. Gemeindepräsidenten im gesamten Land. Es dauerte rund 24 Tage, bis der Nationale Wahlrat (Consejo Nacional Electoral, kurz CNE) den konservativen Nasry ‘Tito’ Asfura des Partido Nacional de Honduras als neuen Präsidenten bekannt gab. Doch die Bandbreite an Vorwürfen von Wahlbetrug sowie der Einmischung der USA stellen die Glaubwürdigkeit der Resultate ernsthaft in Frage und werden in Honduras auch noch lange nach dem Regierungswechsel am 27. Januar 2026 nachhallen.

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Afrikanische Ölpalme, honduranisches Blut: der Anbau, der die Menschenrechte mit Füssen tritt

Artikel von Akira Lozano, internationale Menschenrechtsbegleiterin von Peace Watch Switzerland (PWS) in Honduras.

Tegucigalpa, Francisco Morazán, Honduras

Afrikanische Ölpalme und Menschenrechte: Eine Geschichte der Landenteignung und der Resistenz in Tocoa, Colón

In den fruchtbaren Gebieten im Norden von Honduras verbirgt sich hinter dem Grün der afrikanischen Ölpalmenplantagen eine zutiefst schmerzhafte Realität: Gewalt, Enteignung und systematische Menschenrechtsverletzungen. Unter dem Deckmantel von Entwicklung und wirtschaftlichem Fortschritt wurden ganze Gemeinden vertrieben, während Bäuerinnen und Bauern, Führungskräfte und Verteidigerinnen und Verteidiger der Territorien einer zunehmenden Kriminalisierung, ständigen Drohungen und gezielten Morden ausgesetzt sind. Die Palmölindustrie – getragen von Unternehmensinteressen und in vielen Fällen durch die Komplizenschaft des Staates – hat nicht nur Monokulturen, sondern auch Angst, Straflosigkeit und Leid gesät.

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Grüne Vertreibung in Bajo Aguán: „Los Cachos” und die Enteignung der Cooperativa Camarones

Artikel von Luis Mangrane, Menschenrechtsbegleiter von Peace Watch Switzerland in Honduras.

Tegucigalpa, Francisco Morazán, Honduras

Seit Dezember 2024 ist die Bauerngemeinschaft der Agrargenossenschaft Camarones in Quebrada de Arena, Gemeinde Tocoa, Opfer der Vertreibung durch die kriminelle Bande „Los Cachos“. Die Plataforma Agraria und COPA, denen diese Genossenschaft angehört, fordern vom honduranischen Staat die Räumung und Auflösung dieser kriminellen Vereinigung inmitten der politischen Unsicherheit des Wahlprozesses, den Honduras derzeit durchläuft.

El Aguán ist eine fruchtbare Region an der honduranischen Karibikküste, die sich in den Departementen Atlántida und Yoro befindet. Die wirtschaftliche Hauptstadt ist Tocoa, und etwa 18 Kilometer entfernt liegen die Ländereien der Genossenschaft Camarones. Während der gesamten Fahrt und auf beiden Seiten der mit Schlaglöchern übersäten Strasse, die dorthin führt, erstreckt sich ein grünes Gewölbe aus Ölpalmenplantagen, soweit das Auge reicht. Seit dem 24. Dezember 2024, als die als Los Cachos bekannte kriminelle Gruppe die Cooperativa mit Schussswaffen angriff und ihr Land besetzte, leben die 150 Einwohner:innen dieser Gemeinde, darunter Kinder und ältere Menschen als Vertriebene. 

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