Honduras. Notizen zur aktuellen Lage in Honduras.

Am vergangenen Montag, 16.3., hat die Regierung von Honduras anlässlich des Corona-Virus den Ausnahmezustand erklärt. Am 17.3. wurde in Choluteca die Sozialaktivistin und Leitungspersönlichkeit sozialer Bewegung, Aleyda Huete, festgenommen. Bewaffnete Kräfte drangen Zeitungsberichten zufolge in 240 Häuser ein, um nach Infizierten des C-Virus zu suchen.

Am 18.3. prangerte das Kommittee der Angehörigen von Verschwundenen (COFADEH), an, dass das Land sich angesichts der Covid 19 Epidemie militarisiere.

Bis heute (20.3.) gibt es 24 registrierte C- Erkrankte in Honduras. Viele befürchten, dass ein tatsächlicher Ausbruch der Epidemie zu einer Katastrophe führen kann, weil die öffentliche Gesundheitsfürsorge des Landes miserabel ist. Schon über 30 Patienten mit Coronavirus sollen ein unlösbares Problem darstellen.

Mehrfach hörte ich die Befürchtung äußern, dass der Staat Honduras und sein Militär die Situation der Corona-Epidemie ausnutzt, um das Land weiter zu militarisieren und Menschenrechte zu beschneiden, besonders – so schließe ich daraus – bezüglich derjenigen MenschenrechtsverteidigerInnen, die sich gegen die innere und äußere Kolonisierung (durch nationale und internationale Unternehmen) im Zuge der extraktiven Industrien (Bodenschätze, Monokulturen, Energie) wenden. Zugleich nehmen Menschenrechtsgruppen – etwa  Organisationen, die sich für die Freilassung der politischen Gefangenen von Guapinol (im Konflikt mit Bergbauunternehmen) und feministische Gruppen die Corona-Situation zum Anlass, um ihre Forderungen für mehr Rechte zu untermauern.

Wir sind ein Team aus fünf Freiwilligen, die für Peace Watch Switzerland in der Menschen-rechtsbegleitung arbeiten sollten. Zwei Schweizer Teamkollengen wollte in diesen Tagen nach Europa reisen, doch es gibt keine Flüge mehr. Vielleicht werden sie das Land mit Sonderflügen der Schwerizer Regierung verlassen. Wir können im Moment niemanden begleiten. Der Staat hat für Städte wie Tegucigalpa Ausgangssperre verhängt. Wir können, wenn wir Glück haben, das Haus verlassen, um Essen einzukaufen. Mehrere Tage waren die großen Kaufhallen, auch Apotheken, Banken u.a., geschlossen, damit sich niemand ansteckt. Nach drei Tagen wurden sie für ein paar Stunden geöffnet, damit die Leute sich das Nötige einkaufen könnten. Die das entschieden, haben wohl nicht so weit gedacht, dass dann ein Gedränge entsteht, welches die Ansteckungswahrschein-lichkeit noch erhöht. Ich ging nur in einen kleinen Lebensmittelladen. Davor befand sich eine Schlange, in der ich warten musste. Die meisten Leute hatten Masken vor dem Mund. Vor dem Laden stand ein Militärpolizist mit einem langen Gewehr. Ob er damit den Virus erschießen will, frage ich mich (aber nicht ihn, zur Sicherheit). Es wurde immer nur eine kleine Menge in den Laden gelassen. Trotzdem war der Raum drinnen überfüllt.

Zu gern würde ich in die nahgelegenen Berge fahren, um etwas zu wandern. Auch hätte ich Lust, mal andere Leute treffen. Aber das geht alles nicht. Noch nichteinmal kann ich auf die Straße gehen um zu spazieren. Aber direkt zwischen unserem Haus und einem kleinen Park, noch innerhalb einer Toreinfahrt, befindet sich eine kleine Straße, die etwa 50 Meter lang ist. Dort mache ich jetzt jeden Nachmittag einen Dauerlauf und renne 8-förmig hin und her, um keinen Drehwurm zu bekommen. Dabei nehme ich eine Uhr mit, um nicht die Runden, sondern die Zeit zu zählen. Und ich habe begonnen, Gymnastik zu machen, Handstand, Liegestütze und Strecksprünge, was ich seit Jahren nicht regelmäßig tat. Es hat also alles auch sein Gutes.

Wie es weiter geht, weiß niemand. Ersteinmal erscheint es mir und uns im Team am sinnvollsten, hier zu bleiben, für den Fall, dass in absehbarer Zeit die Menschenrechtsbegleitung weiter gehen kann.

Honduras, Daniel Stosiek, 20. Februar 2020

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