Alternative Entwicklungspolitik im Naturschutzgebiet Guatemalas?

„Ich gehe in die Selva – in den Dschungel“, sagte ich meiner Freundin, als sie mich im September fragte, ob ich skypen könne. Regenwald habe ich aber keinen gesehen und natürlich machte ich mich nicht auf zu einer Expedition in den Dschungel sondern zu einer Menschenrechtsbeobachtung im Departement Petén im Norden Guatemalas, wo nur noch die Hitze daran erinnert, dass hier einmal Regenwald war. ACOGUATE begleitet verschiedene Gemeinden, die sich auf dem Gebiet der heutigen Naturschutzgebiete Laguna del Tigre und Sierra del Lacandón befinden bei ihrem Dialog mit den nationalen Behörden. Trotzdem beschreibt meine vereinfachende Aussage das Problem dieser Gemeinden recht genau, denn auch die staatlichen Behörden vergessen allzu gerne, dass in den Nationalpärken im Petén nicht nur schützenswerte Flora und Fauna zu finden sind, sondern auch Gemeinden mit Tausenden von Bewohnern. Continue reading

GUATEMALA CITY – “NI EL OLVIDO – NI EL PERDÓN”

In der guatemaltekischen Hauptstadt wird weiter an der Vergangenheit gearbeitet. Peace Watch Switzerland (PWS) begleitet das pendente Verfahren des Massakers des Dorfes “Dos Erres”. Über dreissig Jahre nachdem Bürgerkrieg versuchen Angehörige der Opfer weiterhin, ein rechtskräftiges Urteil für die Verantwortlichen aus diesem dunklen Kapitel einzufordern.

Die Vorgeschichte des aktuellen Verfahrens beginnt im Jahr 1982 im Departement Petén. Im Rahmen einer strategisch ausgerichteten Widerstandbekämpfung ist die komplette Bevölkerung eines Dorfes von einem Kommando gezielt exekutiert worden. Verschiedene Opfervereinigungen fordern nun die Wiederaufnahme des Prozesses gegen den damaligen Machthaber Efraín Ríos Montt. Der ehemalige Präsident, bereits 2012 wegen Genozids und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt und verurteilt, soll nun erneut vor Gericht erscheinen, beantragen Angehörige der Opfer des Massakers. Ríos Montt profitiert von der Tatsache, dass das guatemaltekische Verfassungsgericht das Urteil nur wenige Zeit nach dem Schuldspruch mit Verweis auf Verfahrensfehler aufgehoben hat. Seit dem letzten Jahr wird die Wiederaufnahme des Strafverfahrens von offizieller Stelle geprüft. Die Verteidigung des Ex-Generals, mittlerweile 90 Jahre, macht geltend, dass ihrem Mandanten durch seine fortgeschrittene Demenz kein Prozess mehr zugemutet werden kann. (S. dazu Blogeinträge zum Genozidprozess.) Angehörige wie Menschenrechtsorganisationen bekämpfen diesen Ansatz vehement.  Die Ansage “Ni el olvido – ni el perdón” (kein Vergessen – kein Vergeben) ist allgegenwärtig in der Hauptstadt.

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El Estor: Schüsse gegen das Haus der Menschenrechtsverteidigerin Angélica Choc

Am Freitag, den 16. September 2016, wurden von bislang Unbekannten Schüsse gegen des Haus unserer Begleiteten Angélica Choc abgegeben, während sie und zwei ihrer Kinder drinnen am schlafen waren. Am Morgen rief sie die Polizei, die Patronenhülsen auf der Strasse und vier Einschusslöcher in der Wand des Hauses fand. Momentan gibt es noch keine Verdächtigen für den Vorfall.

Zwei unserer Acompañantes reisten in der Folge nach El Estor und von dort mit Angélica nach Morales im Departament Izabal, damit sie Anzeige erstatten kann.

Angélica Choc ist Menschenrechtsverteidigerin und unter anderem Klägerin in einem Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen Sicherheitschef der Compañia Guatemalteca de Niquel, CGN. Der Angriff geschieht zum Zeitpunkt, als sich dieser Prozess in einer entscheidenden Phase befindet. Es wird erwartet, dass der Prozess bald ein Ende nimmt. Wir begleiten auch den Prozess seit Monaten, obwohl er hinter verschlossenen Türen stattfindet. Unsere wöchentliche Präsenz ausserhalb des Gerichtssaals gibt Angélica moralische Unterstützen und ist auch ein Signal an den lokalen Justizapparat, dass die internationale Öffentlichkeit darüber informiert wird, was in Puerto Barrios (6 Busstunden östlich von Guatemala Stadt) entschieden wird. Continue reading

Neue Methoden der Vertreibung

Vertreibungen der Zivilbevölkerung haben in Kolumbien seit jeher mit Gewalt stattgefunden. Grossgrundbesitzer und Viehzüchter, Drogenhändler und transnationale Unternehmen heuern bewaffnete Schlägertrupps an, um Bauern und Bäuerinnen gewaltsam von ihrem Land zu vertreiben. Oft wurde der bewaffnete Konflikt zwischen Staat und Guerillagruppierungen genutzt, um gegen Bauerngemeinschaften als angebliche Unterstützer der Guerilla vorzugehen und brutalste Massaker zu verüben. Seit die Gewalt im Lande im Zuge des Demobilisierungsprozesses der Paramilitärs und des Friedensprozesses mit den FARC merklich zurückgegangen ist, bedienen sich oben genannte Gruppen neuer und subtilerer Methoden, um sich Land für wirtschaftliche Groß-projekte, den Anbau oder Transport von Drogen oder andere Aktivitäten anzueignen. Zwar spielt die Gewalt und die Androhung von Gewalt immer noch eine wichtige Rolle in den vielen Landprozessen, doch die Mittel mit denen heute gegen BauerInnen vorgegangen wird, haben sich in vielen Fällen verändert, wenngleich sie ähnlich effektiv sind. Um diese Methoden und die Mischung aus psychologischem Terror, der Beeinflussung von Behörden und Gerichten, Drohungen, bewusster Spaltung von Gemeinschaften und Gewalt zu verdeutlichen, soll sich dieser Artikel mit dem Fall von Emilce, einer Bäuerin aus der Gemeinde Bella Unión und dem Kampf um die Verteidigung ihres Landes beschäftigen.

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Acht beerdigt, Tausende weiterhin verschwunden

Der 30. August ist der internationale Tag der Verschwundenen. Zu diesem Gedenktag fanden in ganz Guatemala verschiedenste Aktionen statt. Im internen bewaffneten Konflikt, der 36 Jahre dauerte, wurden mehr als 45’000 Personen gewaltsam verschwunden gelassen. Der Grossteil von ihnen wurde letztmalig in der Gewalt des Militärs oder der Polizei gesehen und tauchte seitdem nicht mehr auf. Ihre Angehörigen suchen die „desaparecidos“ seit mehr als 30 Jahren

Meine erste Reise als internationale Menschenrechtsbegleiterin führte mich nach Cobán, Hauptstadt der Provinz Baja Verapaz. Dort wurden am 30. August 2016 die sterblichen Überreste von acht dieser 45’000 vermissten Personen ihren Familien übergeben. FAMDEGUA (eine Organisation von Angehörigen von Verschwundenen) richtete den Anlass in Zusammenarbeit mit der FAFG (einem Insititut für anthropologische Forensik, welches die Exhumierung und Identifikation der Opfer übernommen hatte) aus. Continue reading

Santa Eulalia fête les dix ans de la consulta de Buena Fe

Le 29 août 2006, la municipalité de Santa Eulalia, dans le Nord du Guatemala, organisait la première consultation communautaire afin de se prononcer sur l’exploitation de son territoire. Dix ans plus tard,  un large public était réuni pour célébrer le dixième anniversaire de la consultation dans un contexte de criminalisation et de persécution des autorités ancestrales et des défenseur-e-s de l’environnement. Continue reading

Quand la Justice décide de rompre avec l’impunité: une sentence historique en faveur de 7 autorités indigènes au Guatemala

« Il est préoccupant pour les juges que des accusations pénales puissent être formalisées sur la base de faits qui ne sont pas avérés. Nous sommes en 2016, il s’agit d’une nouvelle ère, nous ne sommes pas sous l’Inquisition ». Yassmín Barrios, lors de la lecture du jugement, le 22 juillet 2016.

La situation dans le nord du Département de Huehuetenango: agressions physiques et persécution légale

Le vendredi 22 juillet 2016 à 21h54, heure du Guatemala, une sentence d’une grande importance a été prononcée par la juge Yassmín Barrios Aguilar, celle-là même qui avait secoué l’opinion en condamnant l’ex-dictateur Efraín Ríos Montt pour génocide en mai 2013. En un peu plus de trois ans, la magistrate cumule ainsi deux jugements historiques: le premier, concernant les crimes commis durant la dictature et le deuxième, la défense actuelle du territoire et des ressources naturelles. Bien qu’elle admette en savoir « très peu sur le droit des peuples indigènes », la juge a fait preuve d’une clairvoyance peu commune en décidant à deux reprises de placer sa sentence du côté des peuples autochtones. Elle a ainsi choisi d’inverser la tendance d’un État qui, historiquement, a nié leurs droits et continue de les opprimer aujourd’hui. Cela constitue un admirable exercice d’autocritique, ce qui est rare chez un agent de l’État, qui plus est, l’un des plus hauts postes du système judiciaire.

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Neues Beobachterteam vor Ort

Es meldet sich das neue internationale Beobachterteam für Peace Watch Switzerland (PWS) aus Barrancabermeja in Kolumbien. Über die nächsten vier Monate werden wir über Neuigkeiten aus den Gemeinden El Guayabo/Bella Unión, EL Garzal/Nueva Esperanza und Las Pavas/Buenos Aires berichten, die regelmäßigen Lesern bereits bekannt sein dürften.

Während Teile Kolumbiens und der internationalen Öffentlichkeit das kürzlich unterzeichnete Friedensabkommen zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC (welches sich noch einem Referendum am 02. Oktober stellen muss) feiern, geht der Kampf für viele Gemeinden auf dem Land gegen die Vertreibung durch multinationale Konzerne und Infrastrukturprojekte, Grossgrundbesitzer mit offensichtlichen Verwicklungen in den Paramilitarismus oder zum internationalen Drogenhandel und korrupte oder untätige regionale Autoritäten und Behören praktisch unverändert weiter. Obwohl der Friedensvertrag, der von privilegierten Interessen häftig bekämpft wird, natürlich eine große Chance für das Land bietet, befürchten viele tatsächlich sogar einen erneuten Anstieg der Gewalt unter der sie seit mehr als 50 Jahren leiden und die immer stärkere und offenere Präsenz von neuen paramilitärischen Gruppen in Barrancabermeja und der ganzen Region des mittleren Magdalena kann hierfür ein Indiz sein.

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Les ex-prisonniers politiques rentrent chez eux!

Ce samedi 30 juillet, à 4 :00 du matin, un groupe de personnes accompagnées de banderoles et haut-parleur attend l’arrivée des ex-prisonniers politiques devant le palais national de la plaza central à Guatemala City. Malgré l’heure matinale, la bonne humeur règne, tous se réjouissent de l’arrivée des ex-prisonniers politiques et de participer au voyage qui durera deux jours: après plus d’un an d’emprisonnement, les 7 ex-prisonniers politiques retournent chez eux.

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Pas toujours facile de rentrer

25 Juin : tout juste un mois a passé depuis mon retour en Suisse après sept mois au Guatemala.

Ce jour-là, mon père s’était libéré pour venir me chercher à l’aéroport et m’éviter les transports publics après 22h de vol. A la sortie, il m’attendait avec les larmes aux yeux. Ça a été une grande émotion de le revoir : la longue distance, la fatigue après le voyage, le détachement d’un pays complexe et ses habitant-e-s, les retrouvailles.

La chose qui m’a le plus choquée sur le chemin de la maison a tout d’abord été l’ordre : les voitures nettoyées et entières, les routes sans trous, la signalisation qui marche, pas de klaxon utilisé de façon inappropriée, pas de dépassements à gauche et à droite à toute vitesse. Le ciel clair et sans pollution. Tout coulait doucement et tranquillement, après sept mois dans le chaos et l’agitation d’une ville de 8 millions d’habitant-e-s. Je me sentais perdue en Suisse, dans mon monde privilégié.

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