Ursachen und Auswirkungen des geringen sozialen Vertrauens in Honduras

Artikel von Geneviève, internationale Menschenrechtsbegleiterin von Peace Watch Switzerland in Honduras.

Tegucigalpa, Honduras

Das soziale Vertrauen ist in Honduras aufgrund des hohen Ausmasses an Gewalt, Korruption und der Schwäche der Institutionen insgesamt gering. Zwar besteht ein gewisses zwischenmenschliches Vertrauen, doch das Misstrauen gegenüber der nationalen Regierung, der Polizei und dem Justizsystem ist nach wie vor gross. Darüber hinaus haben Ungerechtigkeit, Straflosigkeit und die Marginalisierung schutzbedürftiger Gruppen zusammen mit der hohen Armutsrate zu einer «Kultur der Angst» und einer zum Schweigen gebrachten Bevölkerung geführt. Daher wären ein starker politischer Wille und kollektive Massnahmen seitens der Entwicklungspartner*innen erforderlich, um das soziale Vertrauen in Honduras zu stärken.

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Honduras. Begleitung für uns: Der psychosoziale Ansatz in der internationalen Beobachtung

Tegucigalpa, Honduras

Der psychosoziale Ansatz ist in Lateinamerika weit verbreitet und hat eine lange Tradition. Der Ansatz geht davon aus, dass eine Person das Ergebnis ihrer sozialen Beziehungen und der historisch-politischen Kontexte ist, in denen sie sich entwickelt. Ebenso können die «Schäden» und Traumata, die im Kontext politischer Gewalt und Verletzung der Menschenrechte auftreten, nur in ihrer sozialhistorischen Dimension verstanden werden. Ausgehend von diesem Verständnis besteht das Ziel des Ansatzes darin, die Auswirkungen dieser Gewalt zu mildern und die Bewältigungsreaktionen auf diese Situationen zu stärken. Mit anderen Worten, es ist nicht denkbar, mit Gemeinschaften zu arbeiten, ohne den Kontext zu verstehen und zu kennen, der sowohl Menschen in ihrem individuellen Charakter als auch in der Gemeinschaft betrifft und der die Kapazitäten, Ressourcen und Stärken jeder Gemeinschaft berücksichtigt.

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