Neues Beobachterteam vor Ort

Es meldet sich das neue internationale Beobachterteam für Peace Watch Switzerland (PWS) aus Barrancabermeja in Kolumbien. Über die nächsten vier Monate werden wir über Neuigkeiten aus den Gemeinden El Guayabo/Bella Unión, EL Garzal/Nueva Esperanza und Las Pavas/Buenos Aires berichten, die regelmäßigen Lesern bereits bekannt sein dürften.

Während Teile Kolumbiens und der internationalen Öffentlichkeit das kürzlich unterzeichnete Friedensabkommen zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC (welches sich noch einem Referendum am 02. Oktober stellen muss) feiern, geht der Kampf für viele Gemeinden auf dem Land gegen die Vertreibung durch multinationale Konzerne und Infrastrukturprojekte, Grossgrundbesitzer mit offensichtlichen Verwicklungen in den Paramilitarismus oder zum internationalen Drogenhandel und korrupte oder untätige regionale Autoritäten und Behören praktisch unverändert weiter. Obwohl der Friedensvertrag, der von privilegierten Interessen häftig bekämpft wird, natürlich eine große Chance für das Land bietet, befürchten viele tatsächlich sogar einen erneuten Anstieg der Gewalt unter der sie seit mehr als 50 Jahren leiden und die immer stärkere und offenere Präsenz von neuen paramilitärischen Gruppen in Barrancabermeja und der ganzen Region des mittleren Magdalena kann hierfür ein Indiz sein.

Während die Situation in El Garzal seit einigen Monaten relativ ruhig ist, leben besonders die Bewohner von EL Guayabo und Las Pavas verstärkt in Angst. Der leader Alvaro García sitzt weiterhin in Haft (nach einem Umzug in eine andere Haftanstalt allerdings unter sehr viel schlechteren Bedingungen) und wird diese auch zumindest bis November nicht verlassen können. Seine Anhörung wurde auf den 04.November verlegt, nachdem seine Anwältin um mehr Zeit gebeten hatte, um sich besser auf den Prozess vorbereiten zu können. Dies bedeutet einen schweren Schlag für die Gemeinde, die sich eingeschüchtert fühlt und ohne mehrere ihrer kompromittiertesten Anführer (drei weitere befinden sich weiterhin auf der Flucht) auskommen muss. Obwohl Alvaro nach dem Prozess fast zweifelsohne freikommen wird, da praktisch nichts gegen ihn vorliegt, hat der erstaunlich gut mit den regionalen Behörden vernetzte Rodrigo Lopez Henao sein Ziel der Kriminalisierung und Einschüchterung der Gemeinde fürs Erste erreicht.

Für die Bewohner von Las Pavas und Buenos Aires war die Festnahme von 11 Arbeitern der Palmölfirma Aportes San Isidro (Video auf Spanisch) zunächst eine gute Nachricht. Schnell machte sich hiernach jedoch ein Gefühl der verstärkten Unsicherheit breit, nachdem ebenfalls in Buenos Aires lebende Angehörige der festgenommenen Arbeiter Drohungen gegen Beteiligte des Prozesses aussprachen.

Wir werden interessierte Leser in den nächsten Wochen und Monaten weiterhin auf dem Laufenden halten.

Leonard Maue, Barrancabermeja, 28.08.2016

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