“La Esperanza” y “Utopia”: das Vermächtnis von Berta Cáceres

HONDURAS. La Esperanza, ein schöner Name für eine kleine Stadt auf 1800 m Höhe in den grünen Bergen im Norden Honduras. Esperanza/Hoffnung auf Gerechtigkeit, auf Einhaltung der fundamentalen Menschenrechte, auf ein funktionierendes Rechtssystem, auf Respektierung der Rechte der indigenen Bevölkerung in ihrem Kampf um Wasser, Wald und Boden. Wünsche, die in Honduras in weiter Ferne liegen und nur im harten Kampf gegen Korruption, Vetternwirtschaft, Manipulation der Gesetze zugunsten der wirtschaftlichen Interessen der Machthaber und der Kriminalisierung der engagierten Bevölkerung erreicht werden können. La Esperanza, der Geburtsort von Berta Cáceres, der Mitbegründerin und Vorsitzenden der COPINH, der Basisorganisation, die sich für eben diese Rechte der indigenen Bevölkerung einsetzt. Berta Cáceres, weltbekannte, unermüdliche und äusserst beliebte Kämpferin, die vor drei Jahren erschossen wurde, weil sie den Interessen der Regierung und ihren Wirtschaftspartnern im Wege stand.

“Berta vive – la lucha sigue y sigue.”

Am Abend machen wir uns dann auf den Weg nach “Utopia”, dem Sitz der COPINH und ihres Radios, wo die Veranstaltungen zum dritten Jahrestag der Ermordung von Berta Cáceres und dem Vermächtnis ihres Engagements stattfinden. Eine Stunde fahren wir herum und ich befürchte schon, dass “Utopia” eine Fata Morgana ist…, aber nein, schliesslich kommen wir dort an. Also gibt es sowohl Hoffnung und auch Utopie ist möglich.

Wir wohnen der Vorführung eines Dokumentarfilms zum Kampf von Berta Cáceres und verschiedener indigener Gemeinschaften bei.  Es geht um de Kampf um ihre Flüsse, den Schutz ihrer natürlichen Ressourcen, gegen die von der Regierung erteilten Lizenzen an transnationale Unternehmen und der fatalen Konsequenzen  von Megaprojekten für die Lebensgrundlage der ansässigen indigenen Bevölkerung.

Begleitung in einer Gemeinschaft © PWS 2019

“Los ríos no se venden, se cuidan y defienden.”

Am nächsten Tag beginnt die Veranstaltung mit einer Lenca Zeremonie. Dann folgen mehrere Podiumsgespräche, in Memoriam an Berta Cáceres, wobei ein sehr vielfältiges Bild dieser eindrucksvollen Persönlichkeit entsteht, von Menschen, die ihr nahe standen oder an ihrer Seite gekämpft haben (unter anderem ihre Mutter und ihre sehr engagierten Töchter). Die Berichte sind sehr tiefgründig und emotional. Dazu gehört auch die Präsentation eines Buches, von Berta und anderen Aktivistinnen geschrieben, aus dem einzelne Texte vorgelesen werden. Auffallend ist, dass die Frauen die Mehrheit der Podiumsteilnehmerinnen ausmachen – auch nach dem Vorbild Bertas, die sich gegen das Patriarchat ausgesprochen hat und dafür, dass auch Frauen Leaderinnen sein können.

Der Anwalt Victor berichtet über den Stand der Ermittlungen im Fall Berta Cáceres, der ganz klar ein politischer Mord war. Die materiellen Mörder wurden zwar dank internationaler Beobachtung und Medien zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt, die intellektuellen Urheber aber laufen immer noch frei herum (das Unternehmen DESA, die einflussreiche Familie Atala u.a.). Jetzt geht es darum, auch diese gerichtlich zu belangen.

Daneben gibt es Kinderaktivitäten, Theater und Musik und die obligate Essensausgabe.

Das Publikum ist altersmässig sehr gemischt; auffallend viele junge Leute sind anwesend, sowohl  städtische als als auch bäuerliche  Jugendliche, was der Veranstaltung eine Art Festivalcharakter gibt.

Honduras2

Begleitung in einer Gemeinschaft © Isabelle Lügstenmann (PWS) 2019

Viele revolutionäre lateinamerikanische Lieder werden gespielt, was mich in die 70er / 80er Jahre zurückversetzt, als diese Musik auch bei uns zu hören war.

Für mich waren diese zwei Tage sehr interessant und emotional. Ich hatte danach das Gefühl diese aussergewöhnliche, empathische, humorvolle und kämpferische Frau zu kennen. Etwas fremd kam mir jedoch der ihr gewidmete Altar vor, wobei ich verstehen kann, dass starke Vorbilder in diesem sozial und politisch geschüttelten Land eine Kraftquelle darstellen.

“No hay mayor acto de rebeldía que conservar la alegría.”

Die letzte Aktivität findet am Sonntagmorgen statt, als die Menschen von der Grotte der heiligen Jungfrau von Lourdes an das Grab von Berta auf dem Friedhof von La Esperanza marschieren.

“Berta no murió – se multiplicó.”  

Von Isabel Lügstenmann, PWS-Menschenrechtsbegleiterin in Honduras

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