HONDURAS. Erfahrungsbericht einer Menschenrechtsbegleiterin

Deysi Blandín war Ende 2020 als internationale Menschenrechtsbegleiterin im Projekt ACO-H in Honduras im Einsatz. Im folgenden Bericht stellt sie sich vor und erzählt von ihrem Einsatz.

Mein Name ist Deysi Blandín, ich bin 31 Jahre alt, Honduranerin , in Tegucigalpa geboren und aufgewachsen. Ich habe Informatik studiert, und heute bin ich Praktikantin im Fach Psychologie an der Universidad Autónoma de Honduras. Ich habe am «Diplomkurs “Empowerment Junge Frauen und Menschenrechtsverteigerinnen” teilgenommen. Der Kurs wird von der feministischen Frauenbewegung “Mujeres por la Paz Vistación Padilla” angeboten. Die Frauenbewegung begleitet viele Frauen, mit dem Ziel, die geschlechterbasierte Gewalt an Frauen in unserem Land zu bekämpfen.

Im November sah ich die Ausschreibung von Peace Watch Switzerland (PWS) zur freiwilligen Menschenrechtsbegleitung in Honduras. Ich meldete mich sofort, denn ich habe schon mehrere Volontariate gemacht, immer mit sehr guten und wichtigen Erfahrungen. Ich gebe zu, dass ich zuvor noch nie etwas von PWS gehört hatte. Es war für mich neu, die Welt der Menschenrechtsverteidiger*innen in den Gemeinschaften und den Basisorganisationen so nah zu erleben. Es ist unmöglich, diese Arbeit für PWS zu machen, ohne dabei bewusster, menschlicher und empathischer zu werden. Ich bin stolz, Teil der Equipe von PWS gewesen zu sein. Falls sich wieder eine Möglichkeit bietet, bin ich gerne wieder als Einsatzleistende dabei. Es war für mich eine wertvolle Erfahrung, die Situation dieses Teils unserer honduranischen Gesellschaft aus der Nähe kennen zu lernen. Ich verstehe nun, warum es für die Gemeinschaften, die PWS begleitet, wichtig ist, nicht alleine gelassen zu werden.

Deysi am Río Grande von Reitoca. Der Fluss ist für die Gemeinde lebenswichtig.

Wir Honduranerinnen und Honduraner müssen uns viel stärker damit befassen, was in unserem Land passiert. Wir müssen die Konflikte und die Konflikthintergründe besser kennen, und solidarisch und aufmerksamer beobachten, was nicht weit von uns entfernt in ländlichen Gemeinschaften in unserem Land passiert. Diese Konflikte gehen uns alle etwas an.

Ich nehme viele gute Erinnerungen mit, wenn ich nun die Equipe von PWS wieder verlasse. Ich wurde so gut empfangen und begleitet, dass es unmöglich ist, ohne Tränen in den Augen wieder zu gehen. Ich wünsche mir, dass alle Freiwilligen in diesem Team diese Erfahrung machen können und selber etwas dazu beitragen. Danke, PWS, dass ihr diese Arbeit organisiert, danke, dass ihr die Realität der begleiteten Gemeinden in diesen wunderschönen, abgelegenen Gegenden meines Landes sichtbar macht, danke, dass ihr den Menschen in meinem Land diese Unterstützung gebt. Danke für die Chance, die ihr mir gegeben habt, für alles, was ich gelernt und gesehen habe, für euer Vertrauen und die Geduld, die ihr mit mir gehabt habt.

Tegucigalpa, Honduras, im Januar 2021, Deysi Blandín


Titelbild: Deysi begleitete für PWS das Forum für Gerechtigkeit und Mitsprache zur Landnutzung in Honduras. Das Forum fand im November in der Stadt Choluteca im südlichen Honduras statt.

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