Internationale Woche der Frauen – Menschenrechtsverteidigerinnen im Blickpunkt

Aus dem Leben von Maya Ch’orti’ – Leaderinnen

Im Rahmen der internationalen Woche der Frauen haben wir zwei Menschenrechtsverteidigerinnen der Maya Ch’orti’-Region interviewt. Die befragten Frauen sind Elfa Marina Escalante Vásquez, indigene Bürgermeisterin der Ch‘orti‘-Gemeinschaft, und Yesenia Eunice Martínez, Ch‘orti‘-Aktivistin und zurzeit Repräsentantin der Ch‘orti‘-Gemeinschaft Corozal Arriba, deren indigener Bürgermeister José Méndez Torres und Schatzmeister Melvin Álvarez García und fünf weitere Gemeinschaftsbewohner kriminalisiert wurden und in Untersuchungshaft auf ihren Gerichtsprozess warten müssen, der am 25. Mai 2018, mehr als ein Jahr nach den ersten Festnahmen, stattfindet.

Yesenia Onicia Martínez (Repräsentantin von Corozal Arriba), Elodia Castillo Vásquez (Präsidentin von COMUNDICH und Leaderin von Campanario Oratorio, s. Interview vom März 2017), Elfa Marina Escalante Vásquez und ihre Tochter Gloria in Jocotán. Foto: Laura Kleiner, 2. 3. 2018

Wie heissen Sie?

Elfa Marina Escalante Vásquez und Yesenia Eunice Martínez

Was sind Ihre Aktivitäten als Menschenrechtsverteidigerinnen?

Marina:

Als Verteidigerin meiner Gemeinde, als indigene Bürgermeisterin, die ich bin, verteidige ich an erster Stelle Landprozesse. Wenn in der Gemeinde ein Landesrechtsproblem besteht, werde ich aufgesucht, und ich schaue, wie ich den Genossinnen und Genossen helfen kann. Zudem unterrichte ich Kinder und informiere die ganze Gemeinschaft. Ich bin zufrieden, ich habe jetzt bereits seit zwei Jahren diesen Posten inne und habe bereits gelernt, wie ich mich verteidigen kann.

Yesenia:

Ich repräsentiere zurzeit die indigene Gemeinschaft Corozal Arriba, Gemeinde La Unión im Departement Zacapa. Zurzeit verteidigen wir unsere Rechte, unsere Identität als Frauen, Jugendliche und Kinder. Wir sind organisiert und kämpfen im Prozess für unser Land, welches uns unsere Vorfahren hinterlassen haben. Aber bis heute haben uns die Grundbesitzer diskriminiert und kriminalisiert; sie wollten sich unser Land aneignen. Nun ist jedoch der Moment gekommen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, und bis heute konnten sie sich unser Land nicht aneignen. Dieser Weg ist aber hart, sie haben uns kriminalisiert, es gab Morde und Verhaftungen. (Weitere Information: Blog-Eintrag “Kriminalisierung des Ch’ortí-Volkes”)

Wir Frauen wurden und werden diskriminiert, insbesondere für das Tragen der Autoritäts- Vara. (Holzstab, den die indigenen Leader haben, um ihre Gemeinschaften zu repräsentieren.) Dennoch setzen wir nach wie vor unseren Kampf um die Einhaltung unserer Rechte fort, nie werden wir einen Schritt zurück machen, wir bleiben unbeirrbar in unserem Widerstand in der Gemeinschaft Corozal Arriba.

Was erwarten Sie vom Jahr 2018?

Marina:

Wir erwarten noch mehr Erfolge für die Maya Ch’orti’-Gemeinschaften, vor allem im Prozess für die Landrechte. Es fehlt noch die rechtliche Anerkennung unseres Landes durch das Verfassungsgericht. Ebenfalls wünsche ich mir für das Jahr 2018, dass in meiner Gemeinschaft Campanario Oratorio und in  den anderen Gemeinschaften Büros eingerichtet werden können, um unsere Administrationsarbeit besser erledigen zu können.

Yesenia:

Ich erwarte für das Jahr 2018, dass  wir immer weiter für unsere Rechte kämpfen  und dass uns die Schwesterorganisationen weiterhin darin unterstützen. Denn wir müssen immer für unsere Rechte einstehen, für die Kinderrechte, die Umwelt, das Wasser und unser Land mit unserer Ernte von den Gemüsegarten, die wir halten. Ich hoffe dass wir weiterhin eine gute Ernte haben, um unsere Grundbedürfnisse selber befriedigen zu können.

Wir verlangen Gerechtigkeit für die Personen, die hier umgebracht wurden, für unsere Genossen. Wir verlangen Freiheit für unsere Genossen, die inhaftiert wurden, weil diese ehrenhafte Menschen sind, die unschuldig im Gefängnis sind. Ihre Kinder leiden zu lassen ohne Brot, ohne Tortilla auf dem Tisch, ist ungerecht.

Die Schuld liegt bei jenen Mördern, die in unsere Gemeinschaft eingedrungen sind, die eine Wut gegen unsere Gemeinschaft haben, weil sie nicht einverstanden sind, dass dies eine indigene Gemeinschaft ist. Ob sie wollen oder nicht, wir sind eine indigene Gemeinschaft und wir werden immer für unsere Rechte einstehen. Ich verlange Freiheit für die Gemeinschaft Corozal Arriba, in der weiterhin unschuldige Bewohner festgenommen werden.

Laura Kleiner und Tullio Togni

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