…was bisher geschah, Episode 2

KOLUMBIEN

Las Pavas & Buenos Aires

Wie üblich werden wir in Regidor abgeholt und dann düsen wir, bepackt mit Essen und Klamotten und genügend Wasser für die nächsten Tage, auf Motorrädern vorbei an Palmen, Palmenplantagen, Fincas und kleinen Dörfern bis nach Buenos Aires. Wie immer halten wir nur kurz, um hallo zu sagen. Misael begrüsst uns herzlich und wir stellen kurz unsere Rucksäcke ab, um eine schnelle Runde durch das Dorf zu machen.

Besonders am Herz liegt uns Sonja*. Ihr Mann wurde vor ca 1.5 Monaten von 4 Männern bedroht und ein Teil seines Feldes angezündet. Sie sagten ihm, dass er seine Finca verlassen muss und nicht wieder kommen soll, sonst würde sie das nächste Mal sein Haus anzünden. So packte er noch am selben Tag seine Sachen und verliess Las Pavas und ging zu seiner Mutter nach Buenos Aires. Sonja war von dieser Lösung wenig überzeugt und zog so erstmal mit ihren jüngsten 2 Kindern zu ihrer grossen Tochter auf deren Finca, welche sich auch in Las Pavas befindet. Ihr Mann hat den Vorfall inzwischen der Polizei gemeldet und diese hat ihm erklärt, dass er 3 Monate nicht nach Las Pavas kann, sonst würde weder er noch seine Familie eine Entschädigung bekommen, wenn etwas passiert. Nach diesen Neuigkeiten hat Sonja nachgegeben und ist mit ihren Kindern zu ihrer Schwiegermutter gezogen.
Die Situation ist nicht einfach. Sie sagt ganz offen, dass sie mit Ihrer Schwiegermutter nicht gut klar kommt. Und in einem Haus, in dem schon 3 Leute wohnen plötzlich noch mit 3 weitern Leuten einzuziehen, vereinfacht die Situation auch nicht. Das Geld ist knapp, bzw. eigentlich gibt es keines. Die einzige Einkommensquelle -die Finca- kann nicht betreten oder genutzt werden und war ausserdem nur gemietet. Nun lebt dort ein neues Paar, welches sich um alles kümmert und vermutlich muss sich die Familie was neues suchen, wenn sie zurück nach Las Pavas möchte.

Nachdem wir Sonja besuchen hatten, schwingen wir uns wieder auf die Motorräder und fahren weiter nach Las Pavas. Juan* freut sich sehr, uns zu sehen und auch die Kinder haben inzwischen ihre Schüchternheit abgelegt und freuen sich uns zu sehen und umarmen uns. Seine Frau ist nicht da, und so helfen wir Juan mit den Kindern und dem Kochen und ich habe das Gefühl, dass er sehr froh über unsere Hilfe ist. Seine Kinder sind einfach unglaublich und könnten den ganzen Haushalt auch alleine schmeissen, aber er achtet darauf, dass sie auch bei viel Arbeit zuhause, jeden Morgen in die Schule gehen und am Nachmittag auch ihre Hausaufgaben machen.

Ganz stolz erzählen uns die Kinder, dass sie seit neustem Hühner und Schweine haben. Und tatsächlich, eine Sau mit 4 kleinen Schweinen wühlen vor dem Haus um Dreck und ein paar Meter weiter steht seit neustem ein Hühnerstall. Juan lächelt stolz, als wir ihn fragen, ob dies die Schweine von ASOCAB oder seine eigenen sind und antwortet dann “nein, die gehören uns!” Nach vielen harten Jahren, in denen sie teilweise nicht mal wussten, was sie essen sollen und jeden Tag Angst vor den Palmeros haben mussten, scheint es endlich bergauf zu gehen! Die Milch, die sie jeden Tag verkaufen bringt ihnen ca. 20 Franken täglich ein, was in Kolumbien ein guter Lohn ist! Das Geld wird gespart und wenn die Kinder eine neue Schuluniform oder ein neues Heft brauchen, ist Geld da.

Juan und seine Frau mit ihren fünf Kindern war die Lieblingsfamilie meines ganzen Aufenthalts. Ihnen Tschüss zu sagen macht mich wirklich traurig und gleichzeitig bin ich so froh für sie, dass es ihnen nun finanziell und -wie Juan uns abends, als die Kinder im Bett sind erzählt- auch familiär so viel besser geht. Sie sind mir wirklich ans Herz gewachsen und Las Pavas und das Haus von ASOCAB in dem die beiden wohnen ist wohl Natalias und mein zweites Zuhause geworden.

Sophia Zademack, Barrancabermeja, Juni 2018


Bildlegende: Las Pavas, Finka  ©Sophia Zademack, PWS, 2018

*Namen geändert

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