…was bisher geschah, Episode 1

Weil es hier schon lange keine mehr gab hat PWS hat mich darum geben, eine Zusammenfassung der Kontexte der begleiteten Gemeinschaften zu schreiben. Sonntag sind wir von einer Reise zurück gekommen, bei der wir in 6 Tagen alle Gemeinden besucht haben. Dies war ausserdem auch meine letzte Reise und so hiess es für mich auch Adios sagen. Es folgt eine Beschreibung der Aktualitäten in Form einer Trilogie, um es ein bisschen übersichtlicher zu gestalten.

El Garzal & Nueva Esperanza

Don Salva hat sich wie üblich sehr gefreut uns zu sehen und zeigte sich wie immer sehr besorgt um unser Wohl. Da die Zeit des Regens und der Mücken angefangen hat, hatte er sogar Spiralen besorgt, die man anzündet und deren Geruch die Mücken vertreibt. So waren die mosquitos tatsächlich erträglich! Abends hat eine Messe stattgefunden, die von den Frauen der Gemeinde durchgeführt wurde. Da es mein letzter Besuch war, wurde das Schlussgebet Natalia und mir gewidmet und alle haben sich überschwänglich für unsere Zeit und unsere Arbeit bedankt. Ansonsten ist die Lage entspannt, am Sonntag haben sie das erste mal die Anwältin empfangen, welche sich von nun an um die juristische Vertretung kümmern soll. Zwar waren wir nicht dabei, aber Don Salva war schon eine Woche vorher sehr aufgeregt und stolz, dass nun endlich Bewegung in die rechtliche Vertretung kommt!

Vor einer Weile hat man auf dem Weg zwischen El Garzal und Nueva Esperanza ein abgestürztes Flugzeug gefunden. Früher wurde in der Gegend dort Drogen in die USA geflogen und mehrere Drug Lords hatten dort ihre Autopistas wo kleinere Flugzeuge landen konnte um diese mit Drogen zu beladen und dann unbemerkt wieder starten konnte. Eines dieser Flugzeuge muss damals abgestürzt sein und wurde dann vom Urwald verschluckt. Vor ein paar Monaten hat man dieses gefunden. Kurz darauf kamen verschiedene fremde Männer, die den Bewohnern unbekannt waren, um das Wrack genauer anzuschauen und auch ein paar Sachen mit zu nehmen. Auf die Frage, wer sie seien und wer sie schickt antworteten sie nur “el jefe” – bis heute kann man nur vermuten, wer sie waren.
Trotz grosser Angst hat Salvador sich ein Herz gefasst und die Polizei informiert, unteranderem auch, weil Gerüchte kursieren, dass man beim Flugzeug einen ausländischen Pass gefunden hat. Die Polizei versprach, sich darum zu kümmern und schickte das Militär, welches das Wrack bewachen sollte bis die Fiscalía (Justizbehörde) anrückt. Leider waren dann Wahlen und das Militär musste abziehen, um im Zusammenhang mit den Wahlen andere Gemeinden zu beschützen.
Ende vom Lied: das Flugzeug lag weiter ungeschützt und unbewacht im Wald rum, um die Fiscalía hat jeden Tag erklärt “sie kommt dann mañana”. Naja, wir wissen alle was das bedeutet und unglücklicher Weise ist bis jetzt nichts passiert, und das Flugzeug liegt weiter im Urwald. Don Salva ist diesbezüglich aber erstaunlich entspannt, und während es für mich unerklärlich ist, dass so ein wichtiges Beweismittel für den Drogenschmuggel einfach im Wald liegen gelassen wird, scheint ihn das nicht weiter zu erstaunen und jeder geht weiter seinem gewöhnlichen Tagesablauf nach.

Als wir am nächsten Tag mit Pilin wieder zurück nach Vijagual fahren, steht Don Salva am Ufer und winkt uns nach und verspricht, dass sein Haus jederzeit für jede von uns offen steht. – Was für eine schöne Vorstellung. Ich verspreche ihm, wieder zu kommen in der Hoffnung, dass er zu diesem Zeitpunkt dann stolz sagen kann, dass es sich inzwischen um SEIN Land handelt.

Sophia Zademack, Barrancabermeja, Juni 2018


Bildlegende: Himmel über El Garzal, fotografiert vom Johnson ©Sophia Zademack, PWS, 2018

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