Reitoca, der kleine Riese, der für den Petacón-Fluss kämpft

HONDURAS. Reitoca ist eine kleine Gemeinde im Süden des Departements Francisco Morazán in Honduras. Im Norden grenzt Reitoca an die Gemeinden Lepaterique und Ojojona, im Süden an Alubarén, im Westen an La Venta und Sabana Grande und im Osten an Curarén.

Um nach Reitoca zu gelangen, nimmt man die Strasse, welche von der Hauptstadt Tegucigalpa nach Choluteca in den Süden des Landes führt. Bei der Kreuzung La Venta del Sur zweigt die Schotterstrasse ab, die in die Berge führt. Die Reise dauert im Bus etwa dreieinhalb Stunden, davon zwei auf Schotterstrassen, die während der diesjährigen Regenzeit sehr schwer befahrbar sind.

In diesem kleinen, abgelegenen Ort spielt sich einer der wichtigsten Kämpfe um die Verteidigung der Gemeingüter ab. Die indigene Lenca-Gemeinde führt ohne finanzielle Ressourcen, dafür aber mit einem ausgeprägten Sinn für Würde, einen intensiven Kampf gegen den Bau eines Staudamms, der den Lauf und die Uferführung des Reitoca-Flusses beeinträchtigen würde.

Mehr als 300 Personen unterstützen das Protestcamp des „Komitees zum Schutz des Reitoca-Flusses“. Der Fluss ist für die indigene Lenca-Bevölkerung heilig und eine Quelle des Lebens für alle Dörfer, die am „trockenen Korridor“ in Zentralamerika liegen. Sie wehren sich gegen den Bau eines Staudamms durch das Unternehmen PROGELSA, der, einmal fertig, 12‘000 Menschen ohne Wasser lassen würde. Der Bau wurde begonnen, ohne dass die Bevölkerung konsultiert, geschweige denn informiert wurde. Die BewohnerInnen der Region realisierten erst, was vor sich ging, als sie die ersten Explosionen von Sprengungen hörten.

Die lokalen Behörden ihrerseits hüllten sich in Schweigen, als der gewaltfreie Widerstand der Bevölkerung begann. Sie behaupteten, den Widerstand zu unterstützen, weigerten sich allerdings, Informationen über das Projekt öffentlich bekanntzugeben. Dies, obwohl die nationale Gesetzgebung festlegt, dass solche Informationen für alle, die dies wünschen, zugänglich sein müssen. Erst dank der Intervention eines ehemaligen Gemeinderats erfuhr die Bevölkerung von den vertraglichen Details und realisierte die Komplizenschaft der lokalen Behörden bei der Vergabe von Konzessionen an das Unternehmen.

Was geschah mit dem Konsultationsverfahren?

Ähnlich wie in anderen Regionen Honduras, wo Konzessionen zur Ausbeutung von Naturressourcen vergeben wurden, durchlief auch das Staudammprojekt von Reitoca kein vorgängiges Konsultationsverfahren, wie dies das Abkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) bezüglich der Rechte der indigenen Bevölkerung vorschreibt.

Deshalb begann sich die Bevölkerung von Reitoca zu organisieren. Sie führte eine „Volksbefragung“ (ähnlich einer Landsgemeinde) durch und erklärte ihr angestammtes Territorium als frei von jeglicher Ressourcenausbeutung, sei dies zur Energiegewinnung oder zum Abbau von Mineralien. Denn nebst dem Staudammprojekt existieren in dem Gebiet mindestens vier Konzessionseingaben für Minen.

Peace Watch Switzerland begleitet diese Gemeinden und ist mit ihnen „unterwegs für Menschenrechte“.

Jimmy Bermudez, PWS Honduras, Juni 2018 (Übersetzung aus dem Spanisch, Barbara Müller PWS)

Bildlegende: Der Petacón- oder Reitoca-Fluss © PWS

 Weitere Informationen zum Kontext:

https://www.hispantv.com/showepisode/episode/camara-al-hombro-lucha-por-el-rio%C2%A0reitoca/55395

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