Wie wirkt sich Covid-19 auf die Menschen in den von PWS begleiteten Gemeinden aus?

Die durch Covid-19 verursachte Pandemie hat das Leben von Millionen von Menschen weltweit schlagartig verändert. In den ländlichen Gemeinschaften, die PWS in Honduras begleitet, haben die coronabedingten Veränderungen gravierende Auswirkungen mit mehreren Ursachen: Fehlende Gesundheitsversorgung, Verlust des täglichen Einkommens und Verteuerung der Lebenskosten sowie eine weitere Militarisierung und grünes Licht der Regierung für die Fortsetzung der geplanten Megaprojekte, die mit internationaler Finanzbeteiligung aber ohne Mitsprache der betroffenen Bevölkerung.Beispielsweise in Reitoca: Im einzigen Gesundheitszentrum fehlt es an allem: “Weder das Bürger-meisteramt noch irgendjemand sonst ist gekommen, um Masken, Desinfektionsgele oder Handschuhe in das Gesundheitszentrum zu bringen. Es gibt keine Medikamente, und die Mitarbeiterinnen des Gesundheitszentrums waren gezwungen, das vorgeschriebene Desinfektionsgel selber herzustellen.” Berichten die Kontaktpersonen von PWS.

Doch die Pandemie ist weit mehr als ein Gesundheitsnotstand. Die Ausgangssperre ist katastrophal für die Menschen, die von dem leben, was sie täglich verkaufen. Gleichzeitig sind die Kosten für Grundnahrungsmittel gestiegen. “Es ist sehr schwierig, Lebensmittel zu kaufen, besonders für ältere Menschen. Ich stelle fest, dass alles teurer ist; bisher kostete eine Schachtel Eier 70 Lempiras und jetzt kostet sie 130, neulich habe ich 25 Lempiras für ein Stück Kohl bezahlt”, sagt die Bewohnerin von Reitoca. Über das Regierungsprogramm “Solidarisches Honduras” sollen landesweit 800’000 Famiien (rund 3.2 Millionen Menschen) in Armut mit einem “Solidaritätskorb” versorgt werden. Der Korb enthält Reis, Öl, Suppen, Mehl, Zucker und Bohnen. In Reitoca wird das Programm über die Gemeindeverwaltung ausgeführt. Es habe sich aber gezeigt, dass der Korb vor allem den Familien zugute kommt, die der Partei des Bürgermeisters nahe stehen. Gleichzeitig gibt es in der Region erhöhte Militär- und Polizeipräsenz – angeblich um die Umsetzung der Corona-Schutzmassnahmen zu überwachen. Der Windschatten dieser zusätzlichen Militarisierung wird aber auch genutzt, um bei der höchst umstrittenen Umsetzung des Wasserkraftwerks neue Fakten zu schaffen.

Auch in der Gemeinde von Puerto Grande, die ebenfalls von PWS begleitet wird, werden die Menschen empfindlich getroffen. Die meisten Familien dort leben vom täglichen Fischfang und dem Verkauf vor allem von Curiles, einer typischen Weichtierart der Gegend. Seit der Abriegelung können sie das Gemeindegebiet aber nicht mehr verlassen. In den ersten Wochen konnten sie überhaupt nichts mehr verkaufen. Inzwischen haben sie am Eingang der Gemeinde einen Verkaufspunkt eingerichtet, an dem sie an bestimmten Tagen ihren Fisch an die Kundinnen bringen können.

Foto 2 Pulperia de la zona sur, personas se abastecen para alimentarse foto von christoph egger

Lebensmittelladen im südlichen Honduras © Christophe Egger http://christopheegger.com

Die Ausgangssperre tangiert auf unterschiedlichen Bereichen die verfassungsmässigen Rechte und die Menschenrechte der Menschen in den ländlichen Gemeinden, die PWS begleitet. Die Menschen sind existenziell betroffen. Die Organisation für freie Meinungsäusserung C-Libre hat seit Beginn des Lockdowns landesweit 156 Kundgebungen registriert. 114 dieser sozialen Proteste waren gegen den drohenden Hunger gerichtet.

Tegucigalpa, Mireia Izquierdo Prado, Mai 2020.  Übersetzung von Daniel Stosiek.
Mireia ist PWS-Menschenrechtsbegleiterin in Honduras. Daniel, ebenfalls PWS-Menschenrechtsbegleiter, ist zur Zeit von Berlin aus für PWS tätig.


Titelbild: Hauptstrasse der Gemeinde Zacate Grande. © Christophe Egger http://christopheegger.com

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