Ein Pakt für den Erhalt von Land und natürlichen Ressourcen 

Artikel von Marina Bieri, internationale Menschenrechtsbegleiterin von PWS in Honduras. Tegucigalpa, im September 2021.

Viele der Organisationen, die PWS begleitet, sehen sich mit der Ausgangslage konfrontiert, dass die gewählten Politiker*innen die Interessen der indigenen Bevölkerung ignorieren und Entscheide zu ih-rem eigenen Vorteil fällen. Es wird bewusst in Kauf genommen, dass Gemeinschaften ihre Lebens-grundlage verlieren oder sie werden gar von ihrem Land vertrieben, das sie über Jahrzehnte bewirt-schafteten. Versprechen, die im Wahlkampf gegeben wurden, werden nicht gehalten. Das Wasser-kraftprojekt in der Gemeinde Guajiquiro mit seinen negativen Auswirkungen auf die Lebensgrundlage der lokalen Lenca-Bevölkerung bildet somit keine Ausnahme. Aus diesem Grund führt die autochthone Umweltplattform der Lenca von Guajiquiro, PALAGUA, den Widerstand gegen das Projekt an. 

Am Donnerstag, 16. September 2021, organisierte PALAGUA das «partizipative Forum der indigenen Lenca-Bevölkerung von Guajiquiro», zu welchem sie die vier Kandidaten für das Bürgermeisteramt ein-luden. Ziel des Forums war es, einen Pakt zwischen den Kandidaten und der Lenca-Bevölkerung zu schliessen. In den Worten von Arnaldo, Mitglied von PALAGUA: “Wir sind eine Plattform, die sich allein organisiert hat, ohne Hilfe von irgendjemandem, nur das Volk rettet das Volk. Wir müssen uns zusam-menschließen und die Entscheidung treffen, NEIN zu den ZEDEs1, NEIN zu den Bewirtschaftungsplänen und NEIN zum sosolchen Wasserkraftwerk zu sagen”

In einem Dokument, das öffentlich vorgelesen wurde, legten sie ihre Forderungen an den zukünftigen Bürgermeister von Guajiquiro dar. Dazu gehört das Recht der Lencas auf die Wahrung ihrer Identität, das Recht auf Mitbestimmung und die Anerkennung des Entscheids der Bevölkerung, dass Guajiquiro frei von Extraktionsprojekten, von ZEDEs, von Bergbau und von Bewirtschaftungsplänen sein soll. Die-ses Dokument wurde den Kandidaten anschliessend zur Unterschrift unterbreitet und mit Ausnahme eines Kandidaten (des Partido Nacional) von allen unterzeichnet. Die Reaktionen des Publikums auf dieses Ereignis liessen nicht lange auf sich warten und man hörte Ausrufe und Kommentare wie «er arbeitet für das Wasserkraftwerkunternehmen». 

Umrahmt wurde das Forum von Reden von diversen Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidi-gern sowie Repräsentantinnen und Repräsentanten verschiedener Organisationen. Hauptthemen wa-ren der Widerstand gegen die Konstruktion des geplanten Wasserkraftwerks und eine mögliche ZEDE sowie gegen die Bewirtschaftungspläne, die «zu Zerstörung durch massive Abholzung führen». Die Teilnehmer*innen des Forums machten auf die Konsequenzen dieser Projekte aufmerksam und riefen zur Verteidigung des Landes und der natürlichen Ressourcen auf. Immer wieder wurde das Publikum mittels verschiedener Leitsprüche wie «la patria no se vende, se cuida y se defiende» (dt. das Land wird nicht verkauft, es wird darauf Acht gegeben und verteidigt) oder «¿Y las ZEDEs? No, fuera» (dt. Und die ZEDEs? Nein, weg damit) miteinbezogen und auf Widerstand eingeschworen. Der Grossteil des Publikums harrte denn auch während des gesamten dreistündigen Forums stehend vor der Bühne aus.

 

PWS belgeitet die Basisorganisation PALAGUA im partizipativen Form de Lenca Bevölkerung von Guajiquiro, Honduras. 

Trotz der Ernsthaftigkeit der Thematik und den teils sehr emotionalen Reden war die Stimmung sehr positiv und man hatte als Menschenrechtsbegleiterin von PWS das Gefühl, dass die Lenca-Bevölkerung von Guajiquiro ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft noch nicht ganz aufgegeben hat. Das Forum hat dem Kampf für mehr politische Mitbestimmung zweifellos Auftrieb verliehen und PALAGUA als Platt-form mehr Sichtbarkeit verschafft. Bleibt zu hoffen, dass sich dieses Engagement in der Legislaturperi-ode 2022–2026 auszahlen wird. 

1 Zonas de empleo y desarrollo económico (Sonderzonen für wirtschaftliche Entwicklung) 

Bildlegende
Foto: Kundgebung der Bevölkerung von Guajiquiro, Honduras, zur Verteidigung ihres Landes, der natürlichen Ressourcen und der Gemeinschaftsgüter. 

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