Las Pavas – Ein Hühnerzuchtprojekt und keine Neuigkeiten zum Rückkehrplan

Unsere zweitletzte Reise nach Las Pavas führte uns direkt auf die Finca von Cindy und Yamit. Sie leben seit April 2015 mit ihren beiden kleinen Kindern in Las Pavas. Besonders zu Beginn wurde Yamit regelmässig von den Arbeitern der Palmölfirma Aportes San Isidro verbal eingeschüchtert. Die Arbeiter drohten, seine Pflanzungen zu zerstören, ihn anzugreifen und die Finca niederzubrennen. Zwischenzeitlich hat sich die Lage etwas beruhigt und die Familie wird nicht mehr bedroht. Aus Angst vor Angriffen auf die Finca bleibt jedoch immer mindestens eine Person dort.

Am Tag vor unserer Anreise erhielt die Familie eine Solarzelle zugeteilt. Nebst elektrischem Licht produziert die Zelle auch Strom, um die Mobiltelefone aufzuladen und um ein Radio zu betreiben. Vorher brachte man die Mobiltelefone entweder bei den Nachbarn vorbei, die bereits eine Solarzelle hatten, oder unternahm den knapp einstündigen Ritt ins Dorf Buenos Aires. Die Familie hofft, bald eine zweite Solarzelle zu erhalten, damit sie genug Strom haben, um vielleicht sogar einmal einen Fernseher anzuschliessen.

Das Ehepaar ist eines von vier, das eine von Cristian Aid finanzierte und von CORAMBIENTE fachlich begleitete Hühnerzucht betreibt. Das Projekt soll vor allem den Frauen die Möglichkeit geben, sich die Grundlagen der Marktwirtschaft anzueignen. D.h. es muss z.B. überlegt werden, welche Fütterungsmethode am geeignetsten ist, damit am Schluss auch ein Gewinn erzielt werden kann. Wer seine pollos nur mit dem teuren Kraftfutter ernährt, erzielt deutlich weniger Gewinn, als wenn noch Yucca oder Mais aus dem eigenen Anbau zugefüttert werden können. Nur, dieses Jahr sind die Ernten schlecht ausgefallen, es bleibt kaum genug für den eigenen Verzehr.

Es ist auch Cindys Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die 120 Hühner, die als Küken angeliefert wurden, gesund bleiben. Jedes kranke Tier verursacht Mehrkosten. Wie wir von Cindy erfahren, erzielt ein Huhn am 46. Lebenstag den grösstmöglichen Gewinn. Jeder weitere Tag, an dem es gefüttert und „gepflegt“ werden muss, schmälert den Profit. So war es denn ein glücklicher Zufall, dass ein Metzger aus Regidor eine Grossbestellung von 20 Hühnern aufgab. Die Tiere waren nämlich gerade schlachtreif geworden.

Der Kunde wollte die Tiere am nächsten Tag „pfannenfertig“ angeliefert haben. Dies bedeutete, dass Cindy ihre beiden Schwägerinnen anfordern musste, um ihr bei der Arbeit zu helfen: Töten, Kopf ab, Entfedern, Ausnehmen – alles von Hand und übehaupt nichts Ungewöhnliches für die Kleinbäuerinnen. Auch für die Kinder war nichts dabei, es gehört einfach zum Leben. Nicht so für uns. Zwischen Faszination/Bewunderung und Ekel hin und her schwankend, beobachteten wir die mehrstündige Aktion aus etwas Distanz – schliesslich bekommt das der westliche, supermarktverwöhnte Mensch ja kaum zu sehen. Eines ist aber ganz klar: Wir bleiben Vegetarierinnen.

Bild Blog

Schlachttag in Las Pavas © Monika Stucki 2016

In den drei Tagen besuchten wir fast alle Kleinbäuerinnen und -bauern in Las Pavas. Wir sprachen mit den Menschen über viele verschiedene Themen. Vieles ist im Argen – die fehlende Infrastruktur, der seltene Austausch seitens der Leader, der lange Schulweg der Kinder und die schlechte Ernte. Sie kamen auch immer wieder auf die Gutheissung des Rückkehrplan zu sprechen. Die meisten sind sehr skeptisch was seine Umsetzung betrifft. Z.B. fragen sie sich, ob nun zuerst eine Schule gebaut werden muss um die Leute aus Buenos Aires zur Rückkehr zu animieren, oder ob das Bildungsministerium darauf wartet, dass die Menschen nach Las Pavas zurückkehren um dann eine Schule zu bauen? Und wie ist es mit dem Bau der Strassen oder des Ambulatoriums?

Vom Leader Misael Payares erfuhren wir, dass seit dem 5. Mai 2016 nichts mehr passiert ist. Momentan wartet ASOCAB, dass der Bürgermeister von El Peñon das nächste Sitzungsdatum bekannt gibt. So bleiben die Fragen der „Paveros“ bis auf Weiteres unbeantwortet.

Monika Stucki und Sibylle Schaffhauser, Barracabermeja, 23. Juni 2016

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