Was ist von Jimmy Morales’ Regierung zu erwarten?

Am Morgen des 26. Oktober erwacht Guatemala mit einem neu gewählten Präsidenten. Jimmy Morales, der gegen Kandidatin Sandra Torres einen Erdrutschsieg einfahren hat, ist Komiker. Seinen erfolgreichen Quereinstieg in die Politik verdankt Morales dem Rückhalt der Partei Frente de Convergencia Nacional, die von einer Gruppe rechtsgerichteter ehemaliger Armeeangehöriger gegründet wurde. Ohne die Unterstützung der beiden wählerstärksten konservativen Parteien Líder und Partido Patriota – letzerer gehörte der abgesetzte Präsident Otto Pérez Molina an – im zweiten Wahlgang wäre Morales’ Sieg allerdings in Frage gestanden.

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Zweites Attentat auf Umweltschützer

Gestern Abend wurde Alex Reynoso, ein Anführer des lokalen Widerstand gegen das Minenprojekt in Mataquescuintla, zusammen mit zwei Kollegen in einem Attentat angeschossen und schwer verletzt. Es ist das zweite Attentat, das auf ihn ausgeübt wurde. Im April 2014 wurde er zusammen mit seiner Tochter Topacio Reynoso beschossen, dabei wurde seine Tochter getötet und er schwer verletzt. Das Attentat geschieht nur wenige Tage nachdem der Gemeinderat angekündigt hat, dass er das Ergebnis der Volksbefragung von 2012 akzeptiert und beabsichtigt alles in seiner Macht zu tun, damit der Volkswillen respektiert wird. 2012 haben sich 98% der Stimmberechtigten gegen das Minenprojekt ausgesprochen. In den Wahlen 2015 wurden in fünf umliegenden Gemeinden vier Bürgermeister gewählt, die die Bedenken gegen das Minenprojekt teilen. Es scheint, dass die kanadische Minengesellschaft Tahoe Ressources vor nichts zurückschreckt, um doch noch ihr Projekt realisieren zu können.

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Ríos Montt – wie geht es weiter?

Im neu aufgerollten Genozid-Prozess entschied das Richtergremium am 23. Juli, Ríos Montt psychiatrisch untersuchen zu lassen. Der Verteidigung gelang es anschliessend, die Einlieferung ihres Mandanten ins nationale psychiatrische Spital zu verhindern. Das Gericht ordnete in einer weiteren Anhörung am 4. August schliesslich die Untersuchung in einer privaten Klinik an. Continue reading

Wiederaufnahme des Genozid-Prozesses

Die Journalisten stürmen plötzlich aus dem Saal. Es ist der 23. Juli 2015, und wir befinden uns im überfüllten Gerichtssaal in Guatemalas Strafgerichtshof. Vor Gericht steht José Efraín Ríos Montt, Staatschef während der blutigsten Zeit des internen bewaffneten Konflikts. 30 Jahre sind seither vergangen. Der greise General liegt zu Hause im Krankenbett und ist per Videokonferenz zugeschaltet. Auf der Anklagebank sitzt José Mauricio Rodríguez Sánchez, ex-Geheimdienstchef und Teil der repressiven Militärregierung unter Ríos Montt. Die Anklage lautet auf Kriegsverbrechen und Genozid.

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Das Huhn im Garten der Nachbarin

Die Erfolgsgeschichte einer Frauenorganisation

„Wenn das Huhn deiner Nachbarin in deinem Garten scharrt und deine Setzlinge zerstört, wirst Du es dann totschlagen oder mit einem Stein bewerfen, oder wirst du deine Nachbarin über den Zaun hinweg anschreien? Ist es nicht besser, Du gehst hinüber und sprichst mit ihr: ‘Por favor, könntest du nicht dafür sorgen, dass dein Huhn nicht meinen Garten zerstört.’“ Mit diesem Bild illustriert Doña Angelina die Geschichte der Frauenorganisation La Union in ihrem Dorf Santa Maria Tzejá.

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Vorbild Guatemala

Gestern habe ich an einem Forum über die Justiz im Übergang und die Straflosigkeit in Mittelamerika teilgenommen. Zwei Informationssplitter möchte ich mit Euch teilen: „Die letzten zwanzig Jahre war Guatemala immer das Schlusslicht im Umzug der mittelamerikanischen Staaten hin zu einer demokratischen Gesellschaft, und seit ein paar Monaten schauen wir verwundert nach Guatemala: Die erstarkende Zivilgesellschaft ist uns ein Vorbild geworden – was ihr hier bewegt habt, macht uns Mut!“ sagte ein mexikanischer Teilnehmer.

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Kriminalisierung von Menschenrechtsverteidigern in Huehuetenango

In diesem Jahr wurden bereits acht Verteidiger der Menschenrechte im Norden des Departaments Huehuetenango, Guatemala, in Untersuchungshaft genommen. Die politschen Gefangenen werden von unserer Partnerorganisation ACUGUATE begleitet.

ACOGUATE hat am 7. September einen Hintergrundartikel dazu geschrieben: http://acoguate.org/2015/09/07/criminalizacion-de-defensores-en-el-norte-de-huehuetenango/#more-2524

PWS, 28. 09. 2015

Kolumbien

Kolumbien wird seit Jahrzehnten von einem latenten, blutigen Konflikt heimgesucht, in dem Millionen von Menschen von ihrem Land vertrieben worden sind, welches ihnen als Lebensgrundlage dient. PWS begleitet Gemeinschaften von Kleinbäuerinnen und -bauern, welche sich in einem Prozess des Landkampfes befinden. Durch die Präsenz von neutralen internationalen BeobachterInnen bleiben bewaffnete Akteure in der Regel den Dörfern fern und die Kleinbäuerinnen und -bauern können ihrem täglichen Leben und dem Kampf für ihre Rechte nachgehen.

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Schutzbegleitung in Kolumbien ©Anne Berentsen/2013

Seit 2009 begleitet PWS in Kolumbien Gemeinschaften von Kleinbäuerinnen und -bauern, welche sich in einem Prozess des Landkampfes befinden. Dadurch setzen sie sich hohen Risiken aus, denn Drohungen, Vertreibungen und die Anwendung von Gewalt sind gängige Mittel in Kolumbien, um politische oder wirtschaftliche Interessen durchzusetzen.

PWS begleitet zur Zeit drei Dörfer in der Region Magdalena Medio, einem tropischen und heissen Gebiet am mittleren Laufe des Magdalena-Stroms. Zwei dieser Dörfer gelten als Präzedenzfälle für die Landrückgabepolitik der Regierung Santos und sind deshalb vermehrt einem öffentlichen Interesse ausgesetzt.

Willkommen auf dem Blog der PWS-Einsatzleistenden!

Dies ist der Blog der freiwilligen Menschenrechtsbegleiterinnen und -begleiter von Peace Watch Switzerland (PWS) in Guatemala, Honduras und Kolumbien.

Die PWS-Einsatzleistenden aus der Deutschschweiz, die sich momentan in Guatemala, Honduras oder Kolumbien als MenschenrechtsbegleiterInnen befinden, sind die Autorinnen und Autoren dieses Blogs. Sie begleiten die Zivilbevölkerung, die wegen ihres Engagements für die Menschenrechte bedroht ist.  Internationale Menschenrechtsbegleitung hat sich als wirksames Mittel zur Unterstützung der lokalen Bevölkerung erwiesen, die sich für ihre in der Verfassung und durch internationale Übereinkünfte verbrieften Rechte einsetzen. Die bedrohten Personen können dank der internationalen Präsenz ihrer tägliche Arbeit nachgehen und ruhiger schlafen. Die Begleitenden zeigen sich solidarisch und erleichtern so ein Stück weit den konstanten psychischen Druck, dem viele MenschenrechtsverteidigerInnen ausgesetzt sind. Wo Angriffe auf die Menschenrechte nicht verhindert werden können, werden sie dokumentiert und einer internationalen Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Wie ist die Situation vor Ort? Wie verläuft der Alltag der begleiteten Personen? Wer sind sie überhaupt? Porträts, kurze Artikel, Reportagen, Photos und AugenzeugInnenberichte sind auf diesem Blog zu finden. Wir wünschen spannende Lektüre!

Mehr Informationen über unsere Projekte finden Sie hier.

Hinweis: Die in diesem Blog vertretenen Meinungen sind persönlich und decken sich nicht zwingend mit jener von PWS oder den Partnerorganisationen vor Ort.