Der Fluch des schwarzen Goldes

Seit Anfang dieses Jahres begleitet Peace Watch Switzerland wieder die Gemeinde El Hatillo im Nordosten Kolumbiens. Die Gemeinde sitzt regelrecht auf Kohle und rundherum wird diese in verschiedenen Minen abgebaut. Die Dorfgemeinschaft ist den Folgen des Kohletagebaus schutzlos ausgesetzt. Ende März besuchten wir El Hatillo zum ersten Mal. Dort haben wir eine Woche lang die Líderes der Gemeinde bei ihrem Kampf für eine rasche und faire Umsiedlung begleitet.

Ein Berg, der keiner ist

Schon von Weitem sehen wir die riesigen Abraumhalden der Mine. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Berge und dominieren die sonst flache Landschaft. Sie sind durch das Aufschütten vom Aushub aus dem Tagebau entstanden. Unser Tuk-tuk rattert in Schlangenlinien über die unebene Landstrasse, die von der Kleinstadt La Loma zum Dorf El Hatillo führt. Die Strasse ist auf beiden Seiten mit Stacheldraht eingezäunt, auf der einen Seite liegt die Mine, auf der anderen die trockene Steppe, beide sind im Besitz des Bergbauunternehmens. Der Boden ist von einer weiss-grauen Staubschicht bedeckt, Staub vom Kohletagebau der benachbarten Mine. Das Dorf El Hatillo liegt in mitten des Kohleabbaugebietes. Seine unmittelbaren Nachbarn sind niemand Geringeres als drei Kohleminen der internationalen Rohstoffgiganten Drummond, Glencore Xstrata mit ihrer Tochterfirma Prodeco und CNR (Colombian Natural Ressources), welche dem US amerikanischen Finanzinstitut Goldman Sachs gehört.

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Die Powerfrauen der Benzinhauptstadt

Schon wieder sind vier Monate um und es meldet sich ein neues Beobachterteam (Deborah und Antonin) aus Barrancabermeja, Kolumbien. Unsere ersten Wochen waren turbulent, wir trafen uns mit vielen Organisationen, traten unsere ersten Reisen nach Guayabo und Garzal an und lernten viele spannende Leute kennen. Besonders beeindruckt aber haben uns die Menschenrechtsaktivistinnen einer lokalen Frauenorganisation.

Neues Team, neue Eindrücke

Nach Barrancabermeja? Ungläubig schaut mich der Busfahrer an. Die Frage ist immer die gleiche, wenn mich Kolumbianer darauf ansprechen, wo ich hinreise. Denn in die Industriestadt am Rio Magdalena verirrt sich nur selten ein Tourist. Nach zehn Stunden Fahrt in einem stark unterkühlten Bus erreichen wir unser neues Zuhause für vier Monate. Barrancabermeja, von den Einheimischen auf Barranca abgekürzt. Von hier aus werden wir in den nächsten Monaten unsere Reisen in die verschiedenen Comunidades antreten.

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Bonnes nouvelles du Guayabo!

Magnifique nouvelle pour les habitant-e-s des communautés d’El Guayabo et de Bella Unión! Après plus de six mois, trois de leurs leaders, Eric, Jhon Fredy et Santos Peña ont pu rentrer à la maison et retrouver les leurs.

Depuis le mois d’avril, ces trois leaders se cachaient et n’osaient pas revenir chez eux en raison d’ordres de détention déposés par Rodrigo Lopez Henao auprès du ministère public. Cette démarche fait partie d’une stratégie de criminalisation des leaders communautaires et des défenseurs des droits de l’homme en les présentant comme des fauteurs de troubles violents. Après des mois de négociation entre leurs avocats et la procureure, mais aussi grâce à la pression constante d’organisations sociales telles que PAS et du bureau des Nations Unies pour les droits de l’Homme, le cauchemar a enfin pris fin pour ces leaders et leur famille.

A leur arrivée à El Guayabo, ils ont été accueillis par une foule enthousiaste. C’est aussi un immense soulagement pour leur femme et leurs enfants qui ont vécu de longs mois d’angoisse où ils ont dû en sus prendre en charge les travaux des champs. Peu après la publication de la nouvelle, les familles se sont longuement prises dans les bras, sous le coup de l’émotion. Une belle victoire pour El Guayabo et Bella Unión, pour le processus en cours contre le déplacement forcé de la communauté de ses terres et pour nous également, organisations de défense des droits humains.

Mais malgré cette immense joie, nous ne devons pas oublier que le quatrième leader, Alvaro García, reste emprisonné. Une audience prévue le 4 novembre a été à nouveau repoussée. Il restera donc visiblement détenu sans jugement jusqu’au début de l’année prochaine. Sa famille devra bien tristement passer les jours de Noël sans lui…

Gute Neuigkeiten aus El Guayabo

Großartige Neuigkeiten für die Bewohner der Gemeinden El Guayabo und Bella Unión! Nach über einem halben Jahr, konnten vor einigen Tagen die Gemeindeanführer Eric, Jhon Fredy und Santos Peña nach Hause zu ihren Familien zurückkehren. Seit April hatten sie sich versteckt halten müssen. Grund hierfür waren Haftbefehle, die Rodrigo Lopez Henao bei der Staatsanwaltschaft erwirkt hatte, im Zuge seiner Strategie, Gemeindeanführer und Menschenrechtsverteidiger zu kriminalisieren und als gewaltbereite Unruhestifter darzustellen. Nach monatelangen Verhandlungen zwischen ihren Anwälten und der zuständigen Staatsanwältin, aber vor allem durch den konsequenten Druck sozialer Organisationen wie PAS und des Menschenrechtsbüros der Vereinten Nationen, ist der Albtraum für sie und ihre Familien nun endlich vorüber.

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Leben im Schatten eines Staudamms – PWS evaluiert die Begleitung neuer Gemeinden

Mary ist nicht die Einzige, der die Tränen kommen, wenn sie von der Zeit erzählt, bevor der riesige Staudamm errichtet wurde, der über uns thront. In Anbetracht der Landschaft, die sich uns bei unserem Besuch in der Gegend um den Sogamoso-Fluss zwischen Barrancabermeja und Bucaramanga bietet, ist es nicht schwer sich das Paradies vorzustellen, von dem die Gemeinde-Anführerin und die Bewohner der umliegenden Dörfer allesamt schwärmen. Doch damit ist es seit 2008 vorbei. Seit die Firma ISAGEN eines der größten Wasserkraftwerke Kolumbiens in der Region errichtet hat, hat sich ihr Leben radikal verändert.

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Neue Methoden der Vertreibung

Vertreibungen der Zivilbevölkerung haben in Kolumbien seit jeher mit Gewalt stattgefunden. Grossgrundbesitzer und Viehzüchter, Drogenhändler und transnationale Unternehmen heuern bewaffnete Schlägertrupps an, um Bauern und Bäuerinnen gewaltsam von ihrem Land zu vertreiben. Oft wurde der bewaffnete Konflikt zwischen Staat und Guerillagruppierungen genutzt, um gegen Bauerngemeinschaften als angebliche Unterstützer der Guerilla vorzugehen und brutalste Massaker zu verüben. Seit die Gewalt im Lande im Zuge des Demobilisierungsprozesses der Paramilitärs und des Friedensprozesses mit den FARC merklich zurückgegangen ist, bedienen sich oben genannte Gruppen neuer und subtilerer Methoden, um sich Land für wirtschaftliche Groß-projekte, den Anbau oder Transport von Drogen oder andere Aktivitäten anzueignen. Zwar spielt die Gewalt und die Androhung von Gewalt immer noch eine wichtige Rolle in den vielen Landprozessen, doch die Mittel mit denen heute gegen BauerInnen vorgegangen wird, haben sich in vielen Fällen verändert, wenngleich sie ähnlich effektiv sind. Um diese Methoden und die Mischung aus psychologischem Terror, der Beeinflussung von Behörden und Gerichten, Drohungen, bewusster Spaltung von Gemeinschaften und Gewalt zu verdeutlichen, soll sich dieser Artikel mit dem Fall von Emilce, einer Bäuerin aus der Gemeinde Bella Unión und dem Kampf um die Verteidigung ihres Landes beschäftigen.

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Neues Beobachterteam vor Ort

Es meldet sich das neue internationale Beobachterteam für Peace Watch Switzerland (PWS) aus Barrancabermeja in Kolumbien. Über die nächsten vier Monate werden wir über Neuigkeiten aus den Gemeinden El Guayabo/Bella Unión, EL Garzal/Nueva Esperanza und Las Pavas/Buenos Aires berichten, die regelmäßigen Lesern bereits bekannt sein dürften.

Während Teile Kolumbiens und der internationalen Öffentlichkeit das kürzlich unterzeichnete Friedensabkommen zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC (welches sich noch einem Referendum am 02. Oktober stellen muss) feiern, geht der Kampf für viele Gemeinden auf dem Land gegen die Vertreibung durch multinationale Konzerne und Infrastrukturprojekte, Grossgrundbesitzer mit offensichtlichen Verwicklungen in den Paramilitarismus oder zum internationalen Drogenhandel und korrupte oder untätige regionale Autoritäten und Behören praktisch unverändert weiter. Obwohl der Friedensvertrag, der von privilegierten Interessen häftig bekämpft wird, natürlich eine große Chance für das Land bietet, befürchten viele tatsächlich sogar einen erneuten Anstieg der Gewalt unter der sie seit mehr als 50 Jahren leiden und die immer stärkere und offenere Präsenz von neuen paramilitärischen Gruppen in Barrancabermeja und der ganzen Region des mittleren Magdalena kann hierfür ein Indiz sein.

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El Guayabo / Bella Unión: Une visite en prison et un mariage

Le 23 juin, nos deux observatrices publiaient cet article sur le blog allemand.

En mai, nous avions relaté l’arrestation du leader Álvaro Garcia opérée le 24 avril 2016. Álvaro est toujours en prison à Barrancabermeja et attend sa première audition. Selon le droit colombien, elle devrait être agendée dans les 90 jours après l’arrestation. Aucune date n’a été fixée à ce jour.

Cette incertitude est très difficile à vivre pour Álvaro et sa famille. En raison du  long trajet et des coûts très élevés des transports, seul un de ses sept enfants a pu lui rendre visite en prison.

Dimanche, c’est le jour des visites en prison. Chaque prisonnier peut recevoir deux personnes entre 10h et 14h. Mais le dimanche précédent, la visite avait été refusée à plusieurs membres d’une ONG, bien qu’Álvaro n’aie pas atteint le nombre autorisé de visites. Lorsque nous avons tenté notre chance, seule une d’entre nous a été autorisée à entrer. En raison de notre veste verte qui nous identifie comme observatrices de Peace Watch nous avons toutefois reçu finalement l’autorisation d’y entrer toutes les deux.

Par respect pour son âge, Álvaro est emprisonné avec cinq autres personnes dans un espace un peu plus grand que les autres, aménagé avec une machine à café et une télévision. Plusieurs organisations se sont organisées pour assurer et lui amener ses repas de midi. Le repas du soir est assuré par la prison. Le repas de midi est nettement meilleur, souligne Álvaro.

Le dimanche, la cellule d’Álvaro se transforme en salle de visite. Tous les prisonniers amènent leur matelas. Les membres des familles s’asseyent sur les matelas ou sur des chaises. La télévision assure le bruit de fond permanent. Aucune sphère privée, pas même pour les couples étroitement enlacés.

Compte tenu des circonstance, Álvaro se porte bien. Il est persuadé qu’il va prochainement être libéré et, peut-être, mis en résidence surveillée. Mais nous n’assisterons pas à sa libération car nous terminerons notre mandat dans le Magdalena Medio mi-juillet. Nous ne savons pas non plus, si nous pourrons à nouveau lui rendre visite car nous sommes souvent présentes dans les communautés les dimanches. Nous quittons la prison avec un drôle de sentiment.

Tandis qu’Álvaro reste en prison et que les trois autres leaders restent cachés, la vie des familles et des deux communautés continue. Le quotidien a repris le dessus.

Un événement bienvenu a été un grand mariage annoncé de longue date et qui s’est déroulé le 18 juillet à El Guayabo : douze couples se sont fait bénir dans le cadre d’une longue cérémonie catholique de deux heures. De nombreux couples dans les communautés ne sont pas mariés ni civilement ni religieusement. Plusieurs des couples qui se mariaient ce jour-là vivaient déjà ensemble depuis des années, voire des décennies.

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Mariage de masse à El Guayabo © Monika Stucki 2016

C’était une vision surprenant de découvrir ce jour-là ces femmes et ces hommes dans leurs habits de mariage. Certains parents avaient traversé toute la Colombie pour partager ce moment avec leur famille. La pluie drue et une courte coupure de courant n’ont pas réussi à gâcher la fête. Pour tout le village – et aussi pour nous – ce fut un très beau jour, très particulier.

Sibylle Schaffhauser et Monika Stucki, Barracabermeja, 23 juin 2016

Las Pavas – Ein Hühnerzuchtprojekt und keine Neuigkeiten zum Rückkehrplan

Unsere zweitletzte Reise nach Las Pavas führte uns direkt auf die Finca von Cindy und Yamit. Sie leben seit April 2015 mit ihren beiden kleinen Kindern in Las Pavas. Besonders zu Beginn wurde Yamit regelmässig von den Arbeitern der Palmölfirma Aportes San Isidro verbal eingeschüchtert. Die Arbeiter drohten, seine Pflanzungen zu zerstören, ihn anzugreifen und die Finca niederzubrennen. Zwischenzeitlich hat sich die Lage etwas beruhigt und die Familie wird nicht mehr bedroht. Aus Angst vor Angriffen auf die Finca bleibt jedoch immer mindestens eine Person dort.

Am Tag vor unserer Anreise erhielt die Familie eine Solarzelle zugeteilt. Nebst elektrischem Licht produziert die Zelle auch Strom, um die Mobiltelefone aufzuladen und um ein Radio zu betreiben. Vorher brachte man die Mobiltelefone entweder bei den Nachbarn vorbei, die bereits eine Solarzelle hatten, oder unternahm den knapp einstündigen Ritt ins Dorf Buenos Aires. Die Familie hofft, bald eine zweite Solarzelle zu erhalten, damit sie genug Strom haben, um vielleicht sogar einmal einen Fernseher anzuschliessen.

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