Reflexionen nach einem Jahr Menschenrechtsbegleitung in Honduras

Artikel von Nicolas Schärmeli, internationaler Menschenrechtsbegleiter von Peace Watch Switzerland (PWS) in Honduras.

Tegucigalpa, Honduras

Anlässlich meiner ersten Kontaktgespräche mit PWS in der Schweiz wurde ich gefragt, weshalb ich ein Jahr als internationaler Menschenrechtsbegleiter tätig sein möchte und was meine Erwartungen seien.

Viele direkte Erwartungen hätte ich nicht, antwortete ich damals; ich wolle vor allem Lernen und Erfahrungen sammeln. Mein Interesse gehöre dem kulturellen Austausch und der Solidarität mit Menschen in schwierigen Situationen. Schlussendlich war mir nicht viel bekannt über Honduras – ein Land, über welches in den Medien wenig berichtet wird, zumindest nicht in der Schweiz.

Nach einem Jahr kann ich sagen, ich bin froh mit dieser Einstellung das Projekt begonnen zu haben. So konnte ich sehr viel mitnehmen. Ich möchte nun davon erzählen, was ich in einem Jahr in Honduras gelernt habe.

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Kriminalisiert werden wegen Verteidigung eines Flusses: Was bedeutet es, kriminalisiert zu werden, und welches sind die Folgen und Auswirkungen?

Artikel von Nicolas Schärmeli, internationaler Menschenrechtsbegleiter von PWS in Honduras.

Tegucigalpa, Honduras

Ich werde nie vergessen, wie bei einer meiner ersten Begleitungen in einer der Gemeinden, die regelmässig von PWS besucht werden, zusammen mit meiner Kollegin mit Antonio ins Gespräch kam. Antonio ist ein Menschenrechts- und Umweltverteidiger, der sich in seiner Gemeinde für die Erhaltung des Flusses als Lebensader für die ganze Gemeinde einsetzt. Wir blieben den ganzen Nachmittag im Haus von Antonios Familie und redeten viel. An einem Punkt des Gesprächs begann er, uns von seinem Kampf und seiner persönlichen Geschichte zu erzählen. Nach einer Zeit öffnete sich auch seine Frau uns gegenüber und sprach von ihrer Rolle und wie sie sich in diesen schwierigen Zeiten fühlte.

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Persönliche Überlegungen zum Konflikt in Zacate Grande

Artikel von Jennifer Anspach, internationale Menschenrechtsbegleiterin von Peace Watch Switzerland (PWS) in Honduras.

Tegucigalpa, Honduras

Die Zeit vergeht wie im Flug, und ich habe bereits die Hälfte meines sechsmonatigen Freiwilligendienstes hinter mir. In diesen ersten drei Monaten konnte ich mich mit der Arbeit als internationale Beobachterin und der physischen Begleitung vertraut machen. Dies vor allem in Zacate Grande, einer Region im Süden des Landes.  Während mehrere Begleitungen der Organisation Asociación por el Desarrollo de la Península de Zacate Grande (ADEPZA) habe ich die honduranischen Konflikte und deren Herausforderungen kennen gelernt.

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Menschenrechte und die LGBTQI+ -Bevölkerung in Honduras.

Artikel von Pedro Antonio Acosta Martínez, nationaler Freiwilliger bei Peace Watch Switzerland (PWS)

Tegucigalpa, Honduras

Anfang März dieses Jahres hielt Roberto Contreras, Bürgermeister von San Pedro Sula und einer der wichtigsten Geschäftsleute der Stadt, öffentlich eine Hassrede gegen die LGBTIQ+ Community. Der Bürgermeister sagte: “Ich würde lieber hunderttausendmal die Garifuna-Flagge tragen als eine Flagge der sexuellen Vielfalt. Ich fühle mich wohl unter meinen schönen schwarzen “Power-Chicken” Leuten”, womit er seine rassistische Einstellung zeigte und einen Kampf, Anstrengungen vieler Jahre sowie die LGBTQI+ Flagge verunglimpfte. Damit löste er eine Welle der Diskriminierung aus, die zusätzlich dazu beitrug, einen ohnehin bereits bedrängten und mit Schwierigkeiten kämpfenden Teil der Bevölkerung weiter an den Rand zu drängen.

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„Auf dem neusten Stand der Menschenrechte“

Artikel von Valeria Küttel, Menschenrechtsbegleiterin von Peace Watch Switzerland (PWS) in Honduras.

Tegucigalpa, Honduras, im November 2022

Perla, Pamela und Jorge treffen sich auf einem öffentlichen Platz. Sie sind Teil einer Gruppe, die in ihrer Gemeinde die Achtung der Menschenrechte fördert. Die drei Freund*innen sind am Plaudern, als plötzlich die Polizei auftaucht, sich der Gruppe nähert und Ihnen sagt, dass sie hier nicht sein dürfen. Die Beschuldigten wollen den Grund für den Platzverweis wissen und verweisen dabei auf ihr Recht, zusammenzukommen. Obwohl sie dabei sachlich und friedlich bleiben, beginnen die Polizisten zuzuschlagen, nehmen die Drei gewaltsam fest und bringen sie zur Polizeistation in Gewahrsam.

Diese Szene könnte sich heute oder morgen in einer Gemeinde in Honduras abspielen. So unwahrscheinlich ist das nicht, dass Menschenrechtsverteidiger*innen grundlos festgenommen, kriminalisiert oder im schlimmsten Fall sogar getötet werden. Zum Glück handelt es sich bei dieser Szene nur um einen Ausschnitt aus dem Radioprogramm mit dem Namen „Derechos Humanos al Día“, was übersetzt so viel heisst wie „Auf dem neusten Stand der Menschenrechte“.

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“Unser Engagement und unsere Mobilisierung sind für den Aufbau einer gerechten Welt unerlässlich. Unsere Stärke und Hartnäckigkeit sind für die Verteidigung, die Förderung und den Schutz der Menschenrechte von grundlegender Bedeutung …”

Im Gespräch mit einem honduranischen Menschenrechts- und LGBTQI+ Aktivisten.

Tegucigalpa, Honduras, Oktober 2022

Im August traf ich mich mit Deninson Javier Escalante zu einem Interview. In einem etwa einstündigen Gespräch konnte ich mehr über die Arbeit der Menschenrechtsaktivistin erfahren. Vor allem setzt er sich für die Rechte der LGBTQI+ Gemeinschaft ein, zu der er selbst gehört.  Zusätzlich ist er in mehreren Organisationen aktiv und sitzt derzeit im Vorstand der ADISH (Asociación Diversa del Sur de Honduras). Er arbeitet für das honduranische Centro de Desarrollo Humano CDH.

Deninson erzählt mir, dass er in Honduras dreifach gefährdet ist: Allein die Tatsache, jung zu sein, birgt ein gewisses Risiko. Außerdem haben Menschenrechtsaktivisten keinen einfachen Status, und die Zugehörigkeit LGBTQI+ Gemeinschaft stellt ebenfalls eine Gefahr dar. Stigmatisierung, Kriminalisierung, Erpressung, Drohungen, Gewalt und sogar Mord durch Banden wie die Maras und die staatlichen Sicherheitskräfte selbst sind die tägliche Realität der LGBTQI+ Gemeinschaft in Honduras.

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Acompgnement d’une organisation LGBTIQ+ hondurenne à la en la Corte Suprema de Justicia de Tegucigalpa.

Resilienz

Artikel von Céline Weber, internationale Menschenrechtsbegleiterin von PWS in Honduras

Tegucigalpa, Honduras, August 2022

Foto: PWS begleitet eine Organisation der LGBTIQ+-Gemeinschaft in einem Prozess am Obersten Gerichtshof von Tegucigalpa, Honduras.

Resilienz der LGBTIQ+-Organisationen in Honduras.

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Unsere Vision einer Geschlechtergerechtigkeit wird verbindlicher 

Artikel von Heide Trommer, Menschenrechtsbegleiterin von Peace Watch Switzerland (PWS) in Honduras

Tegucigalpa, Honduras, im Februar 2022

„Richtet sich eure Gender Politik nur an Frauen?“, war eine der ersten Fragen, die uns gestellt wurden, als wir Anfang Februar 2022 begannen, unsere neu ausgearbeitete Gender Politik den von uns begleiteten Organisationen vorzustellen. „Nein, diese Politik soll für alle Geschlechter gelten.“ „Ah interessant, wir werden sie diskutieren und zwar erst die Frauen und Männer getrennt, in ihren jeweiligen Gruppen, und danach besprechen wir das Ganze gemeinsam. Bei eurem nächsten Besuch werden wir euch das Ergebnis unserer Beratungen mitteilen.“

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Honduras. Erfahrungsbericht zu meinem ersten Eindruck in Honduras: Ich bin empört!

Ich bin erst seit gut zwei Monaten hier in Honduras und es fällt mir schwer zu glauben, was ich sehe, höre und lese. Ich wusste ja, bevor ich hierherkam, dass die Situation  in Land schwierig und kompliziert ist. Aber dies im Detail zu sehen, lässt mich staunen und macht mich wütend.

Die Ungerechtigkeit und die Heuchelei in der Führung dieses Landes sind unverschämt. Es gibt etliche Organisationen, die für Gerechtigkeit kämpfen, sich einsetzen, die Menschenrechte verteidigen und schützen – aber Veränderungen zeigen sich nur langsam.

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Honduras. Von Berta zu Keyla: Die Straffreiheit bleibt in Honduras bestehen.

Vor fünf Jahren erschütterte die Nachricht von der Ermordung der bekanntesten indigenen Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin in Honduras, Berta Cáceres, die Welt. Um Mitternacht des 2. März 2016 brachen Auftragsmörder die Türe ihres Hauses auf, verschafften sich Zutritt und feuerten aus nächster Nähe. Zuerst auf den mexikanischen Aktivisten Gustavo Castro. Dieser hat überlebt hat und ist nun Hauptzeuge im Mordprozess. Berta Cáceres verstarb in seinen Armen. Wie in einem Horrorfilm sind die Auftragsmörder daraufhin gemächlich hinaus-spaziert, haben telefonisch ihre Kontakte informiert und gingen nach Hause.

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