No a la Mineria ! Klare Ansage aus San Carlos Alzatate

Ende November hat das Municipio San Carlos Alzatate eine Volksbefragung durch eine ‚Consulta de Vecinos’ durchgeführt. Die Gemeinde nimmt damit Stellung zur weiteren Vergabe von Schürfrechten. Ein Bericht über die Dynamik von regionalem Zusammenhalt, fehlendem Kaffee, Schlaglöchern und dem Wunsch einer Region nach Selbstbestimmung über Grund und Boden.

Wir treffen die Mitglieder der lokalen Bürgergesellschaft früh morgens auf einem verschlafenen Parkplatz am Stadtrand von Mataquescuintla. Peace Watch Switzerland / ACOGUATE begleitet die Consulta mit internationalen Beobachtenden und die Gemeinschaft hat sich über die Vermittlung eines Bekannten angeboten, uns in den etwas entlegenen Austragungsort der Consulta mitzunehmen. Die Gesellschaft hat aktiv in der Abstimmungsvorbereitung mitgearbeitet und hofft auf ein klares ‚No’ gegen neue Minenlizenzen. Jeder hat hier seine eigene Geschichte und Gründe, das gemeinsame Ziel über Selbstbestimmung des Bodens bleibt. Einige Mitglieder reisen aus abgelegenen Weilern zum Treffpunkt an, wir warten deshalb mit dem Erwachen des Tages ab, wie sich der Innenhof unseres Besammlungsorts langsam aber konstant mit interessierten Vecinos (‘AnwohnerInnen’) füllt. Ich möchte Kaffee. Gibt es erfahrungsgemäss selten in einem verhältnismässigen Umkreis. Auch ein paar Monate nach meiner Ankunft in Guatemala ist mir immer noch unklar, wie ein Land, das an jeder Ecke Kaffeeplantagen anbaut, beinahe gar kein Interesse am Konsum zeigt. Für mich immer wieder eine Herausforderung. Merklich geschwächt vom Koffeinmangel verteilen wir uns auf die bereitstehenden Pick-ups. Die aus Kies und Lehm gestampften Wege in die Gemeinden sind schwierig. Enge Kurven, ausgespülte Schlaglöcher und steile Abhänge verlangen Routenkenntnisse. Unser Fahrer, die Gelassenheit in Person, bringt uns unter der Begleitung von fröhlich-lautem Marimba-Sound zum ersten Wahllokal im Hauptort San Carlos. Continue reading

Indigene Gemeindeanführer freigesprochen

Der Prozess gegen sieben Anführer der Maya-Q’anjob’al gegen Wasserkraftprojekte in Huehuetenango endet nach über einem Jahr Haft mit Freisprüchen. Nach elf Verhandlungstagen kam das Gericht am Freitag, 22. Juli 2016, zu dem Schluss, dass die Anschuldigungen ungerechtfertigt waren und die sieben Angeklagten sofort freigelassen werden müssen.

Richterin Yassmin Barrios erklärte nach dem Urteilsspruch: “Wir Richter dürfen nicht instrumentalisiert werden. Es kann nicht sein, dass Personen ohne Beweise verhaftet werden. In diesem Fall liegen keine Beweise vor. Die Angeklagten sind unschuldig. Sie wurden ungerechtfertigter Weise als indigene Führer angeklagt. Das Justizsystem und die Unternehmen rufe ich auf, es zu unterlassen, weiterhin die indigenen Völker zu kriminalisieren. Wir alle haben das Recht, in Frieden zu leben.”

Der ganze Artikel von Barbara Klitzke Rozas (2014 als PWS-Freiwillige in Guatemala im Einsatz) vom 25. 07. 2016 kann auf amerika21 gelesen werden.

Gute Nachrichten aus Las Pavas

Rückkehrplan und geplanter Ausbau von Infrastruktur

Die ca. 120 Kleinbauernfamilien von Las Pavas, welche sich in der Bauerngemeinschaft ASOCAB (Asociación de Campesinos de Buenos Aires) zusammengeschlossen haben, wurden im Jahr 2003 das erste Mal von ihrem Land vertrieben. In den Folge-jahren kam es zu drei Rückkehrversuchen, jedoch mussten die KleinbäuerInnen aus Sicherheitsgründen ihr Land jedes Mal erneut verlassen. Die vierte und letzte Vertreibung fand im Jahr 2009 durch die Sicherheitskräfte der Palmölfirma Aportes San Isidro statt. Continue reading

Landesweiter Marsch im Zeichen des Wassers

In der Woche vom 22. April 2016 fanden landesweit Märsche und Aktionen im Namen des Wassers statt, die sich am Freitag, 22. April, zum Tag der Mutter Erde in Guatemala Stadt trafen und eine Revision des Gesetzes  über das Abzweigen von Wasserläufen forderten. Viele der Organisationen oder Einzelpersonen, die wir (ACOGUATE) begleiten, beteiligten sich daran. Da unsere Begleitung jedoch nicht gefordert wurde, konnten wir leider nicht teilnehmen.

Ich hatte jedoch die Ehre, den unabhängigen Journalisten Timothy Boston kennen zu lernen, der die Bevölkerung im Aufmarsch begleitete und seine Erfahung in nachfolgendem Artikel und Fotoaufnahmen kundgibt.

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Leader verhaftet, Hausdurchsuchungen, Haftbefehle

Die Ereignisse in El Guayabo und Bella Unión haben sich in den letzten Tagen überschlagen. Am frühen Morgen des 24. April 2016 kam es in den Gemeinden El Guayabo und Bella Unión zu Hausdurchsuchungen sowie einer Verhaftung. Die Hausdurchsuchungen fanden in den Häusern und Fincas von vier Führungsmit-gliedern (leader) der Gemeinden statt. Nur einer der leader, Álvaro García, hielt sich zum Zeitpunkt der Durchsuchung in seinem Haus auf. Er wurde verhaftet und noch am selben Tag nach Barrancabermeja gebracht. Ihm wird unter anderem illegaler Besitz und Herstellung von Waffen sowie organisierte Kriminalität vorgeworfen. Die Anschuldigungen gründen auf Vorkommnissen vom Oktober und Dezember 2014, als es zu einer von starker Polizeipräsenz begleiteten Räumung einer Finca kam (siehe Infos dazu auf diesem Link (englisch)). Ob die anderen drei leader ebenfalls zur Verhaftung ausgeschrieben wurden, war zu diesem Zeitpunkt unklar. Continue reading

El Guayabo – Die Idylle trügt

Seit über zweieinhalb Jahren werden die Gemeinden El Guyabao und Bella Unón vom Grossgrundbesitzer Rodrigo Lopez Henao, welcher Anspruch auf das Land der Gemeinden erhebt, bedroht und schikaniert. Obwohl die Gemeindemitglieder die Vorfälle – u. a. Bedrohungen, unerlaubtes Betreten und Nutzen der Grundstücke und gezielte Zerstörung – immer wieder anzeigen, ist es bis anhin noch nie zu einer Verurteilung gekommen. Auch der Bitte nach staatlichem Schutz sind die Behörden nicht nachgekommen. Viel mehr treten Vertreterinnen der Behörden immer wieder zusammen mit Henao in Erscheinung. Erst diese Woche erschien Henao zum Beispiel unangekündigt und grundlos in Begleitung von Polizisten, um das Land von zwei Gemeindemitgliedern zu vermessen. Solche Aktionen zeigen das Machtungleichgewicht.

Sibylle Schaffhauser und Monika Stucki, Barrancabermeja, 6. Mai 2016

 

Welttag des Buches in Guatemala

Am 23. April wird weltweit der Tag des Buches gefeiert. In Guatemala Ciudad, wo entgegen vieler Erwartungen das Kulturleben sehr vielfältig und ausgeprägt ist, wird dies in unterschiedlichen Lokalen mit Lesungen und Sonderausstellungen die ganze Woche thematisiert. So habe auch ich mich entschieden, euch die Rolle des Buches in der Geschichte Guatemalas und unserer Arbeit zu erläutern und Empfehlungen über die Werke abzugeben, die mich besonders beeindruckten.

Hintergrund des Weltbuchtags
Im Jahre 1995 deklarierte die UNESCO (UN Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur) den 23. April zum „Welttag des Buches“, dem weltweiten Feiertag für Lesen, Bücher und die Rechte der AutorInnen. Dabei hat sie sich von dem katalanischen Brauch inspirieren lassen, zum Namenstag des Volksheiligen St. Georg Rosen und Bücher zu verschenken. Darüber hinaus kommt dem Datum die weitere besondere Bedeutung zu, dass der 23. April der Todestag unter anderem von William Shakespeare, Inca Garcilaso de la Vega (Peruanischer Autor und Geschichtsschreiber, spanischer sowie Inka Abstammung) und Miguel de Cervantes ist.  In ihrer Resolution erörtert die UNESCO die Wichtigkeit des Buches als das “mächtigste Mittel zur Verbreitung des Wissens und das effizienteste Mittel zu deren Bewahrung”. In Ländern wie Guatemala mit seiner blutigen Vergangenheit, kommt dem eine besondere Bedeutung zu.

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Kampf um Gerechtigkeit der Ixiles geht weiter

Genozidverfahren ohne Ende schreitet voran
Am 16. März 2016 lädt das Gericht zum 5. Mal zur mündlichen Debatte des Völkermordverfahrens gegen Ex-Diktator José Efraín Ríos Montt und  den ehemaligen Chef des militärischen Geheimdienstes, José Mauricio Rodríguez Sánchez.

Begleitung der Ixiles ans Gericht
Letzte Woche hatte ich die Ehre, eine Gruppe des Ixil Volkes ans Gericht zu begleiten und kennen zu lernen. Die Ixiles sind bekannt für ihre stark ausgeprägte indigene Identität und ihren jahrhundertelangen Widerstand. Ihre Kultur prägt sich aus durch die starke Verwurzelung mit ihrer Erde und dem Prinzip von Komplementarität zwischen allem: Mutter und Vater, Himmel und Erde, Berg und Tal und ihren „Tierras Calientes“ y „Tierras Frias“. (Erde auf Sonnen und Schattenseite, die unterschiedliche Ernten zu unterschiedlichen Zeiten bringen.)

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Erster Augenschein vor Ort

Seit dem 13. März 2016 sind wir als Menschenrechtsbeobachterinnen für Peace Watch Switzerland (PWS) in der Region Magdalena Medio im Einsatz. In den nächsten vier Monaten werden wir die Kleinbäuerinnen und -bauern der Dorfgemeinschaften Las Pavas/Buenos Aires, El Garzal/Nueva Esperanza und El Guayabo/Bella Union im gewaltfreien Kampf um ihre Landrechte begleiten. In allen drei Dorfgemeinschaften wird den Menschen ihr Land auf unterschiedlichste Art und Weise und durch verschiedenste Aggressoren streitig gemacht.

Während der Einführung durch unsere Koordinatorinnen der lokalen Partnerorganisation Pensamiento y Acción Social (PAS) trafen wir uns mit diversen staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen. Auch konnten wir auf einer viertägigen Reise in die Dorfgemeinschaften erste Eindrücke vor Ort sammeln. Es bestätigte sich einmal mehr, dass die Mühlen des kolumbianischen Staates langsam mahlen, sodass der Bericht von Karin Leisibach vom März 2015 kaum an Aktualität verloren hat (http://peacewatch.ch/fileadmin/user_upload/colombia/dokumente/Einsatzbericht_Kolumbien_24.3.15_Karin_Leisibach-2.pdf).

Die nächste längere Reise in die Dorfgemeinschaften steht bereits an. Auf diesem Blog werden wir über die (Teil)erfolge, Rückschläge, Freuden und Sorgen der campesin@s berichten.

Monika Stucki und Sibylle Schaffhauser, Barrancabermeja, 28. März 2016

Berta Cáceres ist nicht gestorben – sie hat sich vervielfacht

Ich war im Herbst 2014 bis anfangs 2015 während etwas mehr als fünf Monaten für Peace Watch Switzerland als Menschenrechtsbeobachter im Einsatz in Honduras und habe in dieser Zeit regelmässig auf diesem Blog von meinen Erfahrungen berichtet. Obwohl ich nun bereits seit einem Jahr zurück in der Schweiz bin, verfolge ich nach wie vor ein wenig, was in Honduras vor sich geht.

Am 3. März erhielt ich die traurige Nachricht, dass Berta Cáceres, eine der wichtigsten und bekanntesten Persönlichkeiten der Menschenrechts- und Umweltschutzbewegung in Honduras Opfer eines grausamen Mordanschlags wurde. In der Nacht auf den 3. März sind zwei vermummte Personen in ihr Zuhause eingedrungen, haben sie brutal überwältigt und mit mehreren Schüssen getötet.

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